Episode Details
Back to EpisodesPaulus Thesen im gesellschaftlichen Minenfeld
Description
Was hat Paulus mit Ehe und Gemeinde gemeint?
Ein heikles Thema im 21. Jahrhundert
Um es mit Römer 9, Vers 14a, einem Zitat des Apostels Paulus aus einem anderen Brief zu sagen: „Was wollen wir hierzu sagen?“
Bei dem gesellschaftlichen Klima in unseren westlichen Breitengraden habe ich den Eindruck, ich begebe mich auf ein Minenfeld, wenn ich mich zu dem heutigen Bibelabschnitt aus dem Epheserbrief äußere. Und jeder Satz meiner Ausführungen kann ein ideologisch besetztes Themenfeld zum Explodieren bringen. Ich weiß nur nicht, welcher.
Kann ich das am Beginn des 21. Jahrhunderts tatsächlich noch für voll nehmen, was ein gewisser Theologe und Apostel Paulus da in der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. formuliert hat? Ist jemand, der nicht verheiratet war, berechtigt, so eine steile These für die Beziehung zwischen Mann und Frau aufzustellen? Darf der das?
Und kann ich das in Zeiten der Emanzipation, von geschlechtlicher Gleichberechtigung, Frauen in Führungspositionen, Frauen in Staatsämtern usw. wirklich so stehen lassen?
Fragen über Fragen, die sich mir da auftun.
Ein Blick zurück in die Schöpfungsgeschichte
Und wenn ich mich umschaue, wie unterschiedlich andere Menschen diesen Text deuten, bestätigt das meine Annahme. Aber ich mag diesen Gedanken:
Vielleicht muss ich in der Heiligen Schrift mal ganz weit zurückgehen, ziemlich an den Beginn des Alten Testaments, um die Aussage von Paulus nachvollziehen zu können, der ja ein hochgebildeter Theologe war und sich daher intensiv in seinen Studien mit den Inhalten der damaligen „Bibel“ bzw. „Heiligen Schrift“, also dem Alten Testament, auseinandergesetzt hat.
Das sind die Texte und dadurch verursachten Bilder, die Paulus im Kopf hatte. Und die flossen dann auch in seine schriftlichen Ausführungen an unterschiedliche Gemeinden zum sich gerade in direkter Linie zum Alten Testament entwickelnden Christentum ein. Die wiederum im Neuen Testament mündeten. Auch in seine Meinung und Haltung zu Mann und Frau und sich daraus resultierenden Partnerschaften. Auf den ersten Seiten des Alten Testaments, im 2. Kapitel des 1. Mosebuches, wird in interessanten Bildern berichtet, wie Gott den Menschen geschaffen hat. Der zuerst auch nur als Mensch bezeichnet wird. Aber die Beschreibung lässt darauf schließen, dass es sich wohl um ein Wesen handelt, das ich heute als männlich bezeichnen würde. Und wie ihm dann eine Gehilfin zur Seite gestellt wird, die aus der Rippe des ersten Menschen oder damaligen Mannes geformt wird. Hört sich phantastisch an, ich weiß. Aber so steht es am Anfang der Bibel geschrieben. (1. Mose 2,21–22)
Vielleicht kann ich mir das so vorstellen:
„Da liegt er mitten am Tag auf dem weichen Waldboden und schläft tief und fest. Die Geräusche der herumlaufenden Tiere, das Zwitschern der Vögel, das Rauschen der Blätter – nichts weckt ihn auf. Er wacht noch nicht einmal auf, als ihm jemand die Seite öffnet, eine Rippe entfernt und die Stelle wieder sauber verschließt. Als er schließlich doch erwacht und seine Augen öffnet, kann er kaum glauben, was er sieht: Ein Mensch! Bisher hat er nur Pflanzen und Tiere gesehen. Nun der erste Mensch, den er im Leben sieht. Und doch ist dieser Mensch ganz anders als er.
Adam, so wurde dieser erste Mensch genannt, spricht die ersten Worte eines Menschen in der Bibel: „Das ist endlich Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch! Die soll ‚Männin‘ heißen; denn vom Mann ist sie genommen!“ (1. Mose 2,23). Und der Erzähler kommentiert: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden ein Fleisch sein“ (1. Mose 2,24).
Damit ein Mann ehefähig wird, muss er seine Eltern verlassen und seiner Frau anhangen. Es wird eine enge, verbindliche Beziehung eingegangen.
Ein Fleisch