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Der große Kleiderwechsel: Wo finde ich Halt?

Published 1 month, 3 weeks ago
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Der Bibeltext Epheser 4,17-24 – ausgelegt von Oliver Schönberg.

Es kann vorkommen, dass nach einem langen Arbeitstag, nach Stunden in der Hitze oder nach schwerer körperlicher Arbeit das Arbeitshemd verschmutzt ist und am Körper klebt.

Niemand käme da auf die Idee, über ein verschwitztes, schmutziges Hemd einfach ein sauberes Sakko oder eine feine Bluse zu ziehen. Erst muss das Alte ausgezogen werden, bevor die frische Kleidung angezogen wird.

Genau dieses Bild benutzt der Apostel Paulus im Epheserbrief. In Epheser 4,17–24 macht er deutlich: Der Glaube an Jesus bringt Veränderung mit sich.
 

Ehrlich hinschauen: Was trägt mich eigentlich? (Epheser 4,17–19)

Paulus beschreibt schlicht, wie ein Leben aussieht, in dem Gott nicht mehr der Bezugspunkt ist:

„… dass ihr nicht mehr wandelt, wie die Heiden wandeln, in der Nichtigkeit ihres Sinnes“ (Epheser 4,17).

Mit „Nichtigkeit“ meint Paulus nicht Oberflächlichkeit, sondern Orientierungslosigkeit. Das Denken verliert seine feste Ausrichtung. Gott ist nicht mehr der Maßstab, an dem sich Werte und Entscheidungen orientieren.

Er ergänzt: Der Verstand ist „verfinstert“, der Mensch ist „entfremdet vom Leben Gottes“ (Epheser 4,18). Das bedeutet: Die Verbindung zu dem Schöpfer des Lebens fehlt. Wenn Gott als Maßstab wegfällt, wird das Ich zum Maßstab – und dann wird Identität zu etwas, das dieses Ich selbst kreiert.

Und genau hier trifft der Text mitten in unsere Gegenwart. Heute wird Identität als etwas Plastisches verstanden, das ich nach Belieben verformen kann. Z. B. die von Gott gegebene biologische Identität gilt nicht mehr als etwas Festes, sondern als etwas, das ich wechseln oder verändern kann. Wenn es keinen festen Maßstab außerhalb meiner selbst gibt, dann muss ich mich selbst definieren. Manche setzen auf Leistung: „Wenn ich genug leiste, bin ich wer.“

Andere setzen auf Anpassung: Man springt auf Trends – auch moralische Trends – auf, passt sich Meinungen an, formt sich so, dass man dazugehört.

Doch Trends wechseln. Was heute zählt, ist morgen schon „out“. Und was mich heute erfüllt, kann morgen verloren gehen. Besonders deutlich wird das in Krisenzeiten. Solange ich gesund bin, wirkt vieles stabil. Aber wenn Krankheit kommt, verändert sich auf einmal vieles. Die Zukunft wird unklar. Kräfte reichen nicht mehr. Pläne brechen weg. Und dann stellt sich eine Frage, die ich sonst gerne wegdrücke: Worauf kann ich mich wirklich verlassen?

Was gibt mir Halt? Und genau hier wird der Text persönlich. Paulus lädt ein, ehrlich zu fragen: Was trägt mich wirklich? Wovon erwarte ich Halt, Sinn und Identität? Was bleibt, wenn Erfolg wegbricht, wenn Anerkennung ausbleibt, wenn Gefühle sich ändern?

Vielleicht ist genau das der Moment, sich zu fragen: Sollte ich doch darüber nachdenken, Gott in mein Leben einzubeziehen?


Der Wendepunkt: Christus nicht nur wissen, sondern kennen (Epheser 4,20–21)

Paulus setzt einen klaren Kontrast: „Ihr aber habt Christus nicht so kennengelernt“ (Epheser 4,20).

Die Empfänger des Briefes haben Christus kennengelernt – und genau deshalb werden sie ermutigt, die alten Maßstäbe hinter sich zu lassen. Paulus sagt nicht: „Ihr habt neue Regeln gelernt.“ Sondern: „Ihr habt eine Person kennengelernt.“ Und er führt weiter aus: „Wenn ihr ihn gehört habt und in ihm gelehrt worden seid“ (Epheser 4,21).

Es geht also nicht zuerst um ein Regelwerk, sondern um Beziehung. Gott ist keine Idee und kein philosophisches Konzept. Er ist eine Person, die ich kennen kann. Und diese Person hat ein Gesicht: Jesus Christus.

Wer dem gekreuzigten und auferstandenen Jesus begegnet, beginnt das Leben anders zu sehen. Am Kreuz wird Gottes Liebe sichtbar: Jesus trägt die Sünde – und Sünde ist alles, was mich von Gott trennt. Er nimmt weg, was zwischen Gott und mir steht, und ermöglicht einen Neuanfang

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