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Ein Brief an Paulus – Einleitung und Staunen
Grüß Dich Gott, lieber Paulus, heute will ich Dir mal schreiben. Für Dich ist das ja nichts Ungewöhnliches, Du hast ja selber viele Briefe verfasst und an die Gemeinden gesandt. Eigentlich hast Du ja Deine Schreiben an bestimmte Gemeinden geschrieben. Doch Deine Ausführungen sind so grundlegend, dass sie aufbewahrt wurden und nun mir und uns Menschen heute immer noch etwas zu sagen haben. So auch Dein Schreiben an die Gemeinde in Ephesus.
Mich lässt Dein Text aber auch ins Fragen kommen. Stellenweise kommt es mir vor, als schreibst Du aus und von einer anderen Welt. Da schreibst Du doch, Du wärst ein Gefangener von Jesus, dem Christus. Lieber Paulus, wie kann das sein? Was bewegt Dich zu dieser Äußerung? Du hast doch immer Jesus als den Gott, der befreit vor Augen gestellt, auch in Deinen Briefen.
Gefangener Jesu Christi – Zwischen Römerrecht und göttlichem Auftrag
Doch, ich weiß, Du bist gefangen, in den Händen der römischen Weltmacht, weil die gesetzlichen Juden aus den Synagogen Dich angeschwärzt haben und Dich feige ermorden wollen. Nun sollst Du Deine Position vor dem Kaiser vertreten. – Stimmt, das hat Jesus selber zu Dir gesagt, als Du von den Römern verhaftet worden bist: „Du sollst sein Zeuge sein, wie Du es in Jerusalem warst, so sollst Du es auch in Rom sein.“ (Apostelgeschichte 23,11) Nach Rom, vor den Kaiser, bist Du als Gefangener gebracht worden. Aber als Gefangener der Römer. Gefangener Jesu Christi seist Du. –
Stimmt, wenn ich Deine Geschichte ansehe, bist Du tatsächlich jemand, der von Jesus ganz eingenommen ist. Er hat Dich unvermutet auf Deinem Weg gestoppt und für sich eingenommen. Seither bist Du im Namen und Auftrag von Jesus, dem auferstandenen Herrn unterwegs. Du hast nichts anderes im Sinn, als das, was Jesus will. Zu den Menschen, ob sie Juden sind oder aus den Nationen bringst Du die Botschaft vom „Geheimnis Christi“.
Geheimnis von Christus nennst Du das, was Du den Menschen damals und uns Menschen bis heute – in den Briefen – verkündest. Diese gute Nachricht, das Evangelium hat Dich so gefangen genommen, dass Du nichts anderes mehr willst und tust. Alles hast Du diesem Ziel untergeordnet. Du hast Dich ganz Jesus, dem auferstandenen und lebendigen Gott untergeordnet. Er ist Dein Lebensinhalt. Du sorgst Dich z.B. nicht um das, was Du essen sollst, oder wo Du wohnen und schlafen wirst – die Sorge dafür und alles Weitere überlässt Du Jesus. Er hat Dich beauftragt, er soll und wird auch für Dich sorgen. Genau so ist es wohl gewesen. Wie der Staat für die Gefangenen sorgt, so sorgte Jesus für Dich, Paulus – bloß besser.
Ja, Du kannst Dich als Gefangenen von Jesus Christus bezeichnen. Dafür spricht Dein Lebensweg und Dein Handeln und Dein Sein, Eins-Sein in den Werken und im Wirken von Jesus. Alles, was Du getan hast, war von dem getragen, was Jesus will. Darum bist Du schon ein Gefangener Jesu und Du bist ein Gefangener der Römer. Als Gefangener Christi erging es Dir aber bei weitem besser. Denn bei Jesus warst Du zudem auch Geheimnissträger.
Träger eines offenen Geheimnisses – Freiheit in der Gefangenschaft
Ja, lieber Paulus, es ist irgendwie bemerkenswert, welche Bezeichnungen Du für Dich wählst. Du bist ein Gefangener, der eigentlich frei ist und Du trägst ein Geheimnis, das öffentlich gemacht werden muss. Mir scheint, Du lebst wirklich in einer anderen Welt. Bei Dir gilt das, was in der bekannten Welt gilt, wohl nicht. Die Welt, in der Du bist, ist ganz anders, ist neu. Deine Welt ist die Welt von Jesus Christus, dem lebendigen Herrn und Sohn Gottes. Dort läuft manches anders, als ich es in unserer Welt kenne. Dort läuft es offensichtlich besser, als bei uns: Gefangene sind frei und Geheimnisse müssen bekannt gemacht werden, sollen öffentlich und den Menschen zugänglich gemacht werden. In Gottes Welt, in