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Friede mit euch

Published 2 months, 1 week ago
Description
Der Bibeltext Johannes 20,19-23 – ausgelegt von Michael Oberländer.

Die verschlossenen Türen – Angst und Hoffnungslosigkeit der Jünger

Die Jünger Jesu haben sich am Abend des ersten Ostertages eingeschlossen. Sie schlottern vor Angst. Zu vieles war passiert in den vergangenen Tagen. Ihr Herr und Meister Jesus war verhaftet, abgeurteilt, gekreuzigt und begraben worden. Alle Hoffnungen, dass er sie in eine strahlende Zukunft führt, sind dahin. Zudem hatte eine Nachricht sie vollends verwirrt: Jesus sei auferstanden, nicht mehr im Grab, er lebe. Doch diese Nachricht lässt sie merkwürdig kalt. Eine Frau, Maria von Magdala, hat sie ihnen gebracht – doch eine Frau gilt zu ihrer Zeit als Zeugin nicht viel. Überzeugen kann sie die Aussage der Maria daher schon gar nicht. Zudem müssen sie befürchten, dass es ihnen als Jesusleuten nun auch an den Kragen geht. So sitzen sie hinter verrammelten Türen und wissen nicht weiter.

 


Friede sei mit euch – Vergebung statt Vorwurf

In dieser aussichtslosen und hoffnungslosen Lage ereignet sich das Unglaubliche: Jesus selbst erscheint in ihrer Mitte. Was wird er ihnen zu sagen haben? Müssten sie jetzt nicht eine geharnischte Gardinenpredigt von ihm zu hören bekommen? Etwa in der Tonart: Ihr seid mir ja schöne Freunde. Drei Jahre waren wir miteinander unterwegs und als es brenzlig wurde, habt ihr mich alle im Stich gelassen. Kein Wort davon. Kein Vorwurf ist zu hören. Stattdessen: Friede sei mit euch. Das heißt: Es ist gut zwischen uns. Ich halte euch nicht vor, dass ihr Angst hattet und euch aus dem Staub gemacht habt. All das steht nicht zwischen uns – es ist vergeben – ich bin bei euch. Jesus zeigt ihnen seine Wundmale. Er hat sie sich ja gerade zufügen lassen, damit Frieden wird zwischen Gott und Menschen. Eben der Frieden, von dem er seinen Jüngern gesagt hat, dass sie diesen Frieden nirgends sonst in dieser Welt finden können. Der Frieden, der dort entsteht, wo ein Mensch gesagt bekommt: Dir ist vergeben – es ist ausgelöscht, was du an Schuld, Versagen und Selbstvorwürfen mit dir herumgeschleppt hast. In diesem Moment schlägt die Stimmung um; befreit von Selbstvorwürfen und Angst werden die Jünger erfüllt von etwas, mit dem sie in ihrer Lage sicherlich am wenigsten gerechnet hätten: Freude! Freude über Jesus, darüber, dass er lebt, zu ihnen kommt und sie losspricht von ihrem Versagen.

 

Der Auftrag – Gesandt wie Jesus gesandt wurde

Doch damit nicht genug. Jesus löst sie mit seinem Friedensgruß nicht nur von ihrer Vergangenheit. Mit seinen nächsten Worten öffnet er den Jüngern den Blick für die Zukunft: Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Davon hat er mehrfach zu seinen Jüngern gesprochen: Dass sie teilhaben sollen an seiner Sendung in die Welt. Dass sie – wie er – unter und an den Menschen heilsam wirken werden. Jesus hat ihnen zugesagt, dass er sie auserwählt hat, in Gottes Kraft bleibende Spuren in dieser Welt zu hinterlassen. Wer hätte damit gerechnet, dass er zu seinen Worten steht – nach allem, was geschehen ist? Nach allem, worin sie versagt haben? Wer hätte darauf hoffen können, dass Jesus sie nicht fallen lässt und sie an seiner Statt fortsetzen dürfen, was er begonnen hat: Aller Welt und ihren Menschen die gute Nachricht bringen, dass Gott es gut meint mit ihnen? Jesus steht zu seinen Worten, zu seinen Jüngern und zu dem Auftrag, den er ihnen gegeben hat und den er nun wiederholt: „Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten." (Johannes 20,22–23) Die Jünger dürfen weitergeben, was sie selbst gerade empfangen haben: Vergebung. Jedem Menschen, der unter seiner Schuld und Last vor Gott leidet, dürfen sie im Auftrag Jesu zusagen: Dir ist vergeben. Demjenigen aber, der davon nichts wissen will, sollen sie

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