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Plötzlich ist alles anders

Published 2 months, 2 weeks ago
Description
Der Bibeltext Johannes 18,12–27 – ausgelegt von Christine Löwe.

Eben noch habe ich den Mund so voll genommen. War stolz auf meine Leistungen, nichts konnte mich bremsen oder aufhalten. Eine Glückssträhne, so ein richtiger Flow. Und dann das: der totale Zusammenbruch. Von jetzt auf gleich. Nichts mehr da von der Energie und dem Mut, mit dem ich eben noch Bäume ausreißen konnte. Die Herausforderung, die vor mir liegt, wird plötzlich riesengroß, und ich habe Angst, es nicht zu schaffen. Fluchtgedanken kommen auf. Jetzt geht es nur noch darum, die eigene Haut zu retten. Bloß nicht mehr auffallen. Und statt klar Stellung zu beziehen, drehe ich mich feige weg.

So erlebe ich mich selbst in Situationen, so erlebe ich Menschen in meiner Umgebung. Zutiefst menschlich. Und solche Geschichten stehen auch in der Bibel. Weil Gott seine Geschichte mit uns Menschen schreibt.

Petrus ist so ein Mensch. Sehr spontan, impulsiv, leicht zu großen Worten neigend, begeisterungsfähig, der geborene Wortführer. Er war lange mit Jesus unterwegs. Kennengelernt hatten sie sich am See Genezareth. Denn Petrus war Fischer von Beruf. Er wusste es noch wie heute, wie alles begann: Er wusch gerade seine Netze, als Jesus auf ihn zu kam und in sein Boot stieg. Jesus bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und dann sprach Jesus zu den Menschen, von seinem Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu ihm, der damals noch Simon hieß: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!“ Zuerst hatte er ihn insgeheim für verrückt erklärt, hatten er und die anderen Fischer doch die ganze Nacht über nicht einen einzigen Fisch gefangen. Aber dann hatte er es doch getan, auf sein Wort hin – und er wurde belohnt. Sie fingen eine große Menge Fisch, so dass ihre Netze sogar zu reißen begannen. Seit diesem Tag war er mit Jesus unterwegs und hatte gelernt, ihm zu vertrauen. Heilungen hatte er miterlebt, wie Leute gesund wurden nach schwerer Krankheit, Totgeglaubte sind aus ihrem Bett aufgestanden. Er war dabei, als aus fünf Broten und zwei Fischen tausende Menschen satt wurden. Für ihn war klar: Dieser Mann ist Christus, der versprochene Retter und Messias. Für Jesus hatte Petrus alles verlassen und ist ihm nachgefolgt. Für ihn würde er alles tun, sogar ins Gefängnis und in den Tod würde er für ihn gehen, wenn es sein müsste. Und schon bald bot sich Gelegenheit, seine guten Vorsätze umzusetzen. Als die Soldaten Jesus ergreifen wollten, da nahm er, Petrus, das Schwert und schlug dem Knecht eines Hohenpriesters, Malchus hieß er, das rechte Ohr ab. Bereit, für seinen Herrn und Meister zu kämpfen. Aber dann, als Jesus gefangen genommen wurde, schien ihn der Mut zu verlassen. Zwar folgte er Jesus noch zum Palast des Hohenpriesters, aber er folgte ihm nicht mehr nach. Zunächst sah es sogar so aus, als ob sein Weg schon draußen vor der Tür enden würde. Nur durch Vitamin B gelangte er in den Hof des Palastes, mehr durch die Initiative eines anderen Jüngers als auf eigene Initiative. Und während Jesus drinnen vor dem Hohen Rat verhört wurde und sich trotz dem über ihm schwebenden Todesurteil freimütig zu seiner Lehre bekannte, offen redete, ohne etwas davon zu beschönigen oder zu widerrufen, war Petrus voller Zaudern und Zagen. Unschlüssig, was er tun sollte. Eben noch mittendrin im Geschehen, aktiv und bereit, seinen Herrn zu verteidigen, wurde er jetzt zu einer Randfigur und zum stillen Beobachter und Horcher. Er blieb im Hof stehen, passiv, bemüht, seine Rolle in diesem Schauspiel zu einer unbedeutenden Nebenrolle herabzustufen.

Die Gründe dafür kennen wir nicht. Vielleicht waren es aufkommende Zweifel darüber, ob Jesus wirklich der versprochene Messias ist, wenn er sich doch so kampflos abführen ließ. Vielleicht war es aber auch einfach die Angst, dass es ihn selbst auch erwischt, nachdem er doch eben noch einen der Männer aus dem Haus des Hohenpriesters schwer verletzt hatte. Jedenfalls war ihm kalt, er fror, und jegl

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