Episode Details
Back to EpisodesEin großer Gott, der sich bückt
Description
Gottes gewaltiges Erscheinen am Berg Sinai
Diese Worte aus dem Philipperbrief sind eine Revolution. Sie stellen alles auf den Kopf. Gott, der Schöpfer des Universums, nimmt die Gestalt eines Knechts an, ich könnte auch Sklave übersetzen. Gott stellt sich auf die niedrigste Stufe, die es für Menschen überhaupt gibt. Um das zu begreifen, reicht mein begrenzter Verstand nicht aus. Aber was es in etwa bedeutet, zeigt mir die Bibel selbst. Ich gehe über 3000 Jahre zurück, in die Zeit des Alten Testaments. Als das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste ins Gelobte Land wanderte, unter der Führung von Mose. Als das Volk am Berg Sinai ankam, geschah etwas Gewaltiges. Gott kam herab. Der Schöpfer und König aller Könige. Aber er kam nicht einfach vom Himmel herunter, vorher musste sich das Volk auf das Erscheinen des großen, heiligen Gottes intensiv vorbereiten. Jeder im Volk musste sich zum Beispiel waschen, Geschlechtsverkehr war auch nicht erlaubt.
Nach drei Tagen war das Volk bereit. Und Gott kam. Ich zitiere aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 19:
„Da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, weil der Herr auf den Berg herabfuhr wie Feuer, und sein Rauch stieg auf wie der Rauch von einem Schmelzofen, und der ganze Berg bebte sehr.“
Soweit das Zitat. Was für ein gewaltiger Gott. Ich glaube, ich wäre auch damals zu Tode erschrocken gewesen, bei diesem Anblick und diesen lauten Geräuschen. Dieses Erscheinen Gottes übertrifft alles, was Menschen je gemacht oder gesehen haben, bei Weitem. Ich kann da nur Ehrfurcht bekommen, vor dem heiligen, ja sogar schrecklich mächtigen und großen Gott.
Nach diesem Erscheinen Gottes dürfen Mose, sein Bruder Aaron und 72 weitere Männer aus dem Volk zu Gott auf den Berg steigen. Dort sahen sie den Gott Israels, heißt es im 2. Buch Mose, Kapitel 24. „Unter seinen Füßen war es wie eine Fläche von Saphir und wie der Himmel, wenn es klar ist.“ So steht es dort wörtlich.
Ein Saphir ist ein wunderschöner, tiefblauer Edelstein. Aber was die Männer Israels dort oben gesehen haben, muss noch viel schöner und unbeschreiblicher gewesen sein.
So wird dieses Erscheinen hier im Alten Testament beschrieben. Ein Gott, den man nicht einfach anfassen kann, sondern eine unfassbar große Majestät, vor der ich mich wahrscheinlich nur flach auf den Boden werfen würde, vor Ehrfurcht.
Jesus – der Knecht, der die Füße wäscht
Und das ist derselbe Gott, der später in Jesus Mensch wird. Im Philipperbrief steht, er entäußerte sich selbst. Wörtlich könnte es auch heißen, er entleerte oder beraubte sich selbst.
Er legte alle Gewalt und Majestät ab, die den Berg Sinai in einen Schmelzofen verwandelte. Und die noch schöner war als ein Saphir oder der Himmel, wenn es klar ist. Und nahm Knechtsgestalt an.
Dazu passt eine Stelle aus dem Johannesevangelium, im 13. Kapitel. Jesus ist beim Abendessen mit seinen Jüngern. Nach dem Essen steht er auf, legt seine Kleider ab, nimmt einen Schurz und legt sich einen Gürtel um. Danach gießt er Wasser in ein Becken und fängt an, den Jüngern die Füße zu waschen.
Diese Fußwaschung war ein Dienst für den niedrigsten Sklaven. Diesen Dienst übernimmt Jesus, Gott in Menschengestalt. Er zieht sich sogar so an wie ein niedriger Sklave, mit Schurz und Gürtel. Er erniedrigte sich selbst: Was das heißt, das wird mir hier vor Augen geführt.
Derselbe Gott, der den Berg Sinai zum Beben und Rauchen brachte, der das ganze Weltall geschaffen hat und erhält, der sich die Sterne ausgedacht hat und die Planeten, jeden einzelnen, der auch uns Menschen geschaffen hat, jeden einzelnen, der auch die kleinste Zelle, das kleinste Atom im ganzen All kennt und lenkt: Dieser gewaltige Gott ist