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Back to EpisodesSC186 SoilTalk: Henne, Ei, Gley?
Description
Heute geht es um die ganz grundlegende Frage, welche Steuerfaktoren darüber entscheiden, welche landwirtschaftliche Nutzungsform vorherrschend ist. Böden sind es laut der vorgestellten Studie nur mittelbar – aber: stimmt das so überhaupt?
Vorgespräch
Im WDR 3 Kulturfeature Der Sound der Erde – Eine Expedition in den Boden wird ein akustischer Blick in den Boden geworfen. Neben landwirtschaftlicher, künstlerischer und wissenschaftlicher Anwendung der Bodenakustik spielt auch unser Host Christoph eine Rolle. Hört gerne rein!
Thema: Henne, Ei, Gley?
In der Studie von Emde et al. (2026) geht es um die Frage, welche Faktoren steuern, ob in der Landwirtschaft dominant Ackerbau oder Grünland vorherrscht, oder ein Wechsel zwischen diesen Landnutzungsformen stattfand. Das Autorenteam argumentiert auf Basis unterschiedlicher Steuerfaktoren und Zeitreihen von Landnutzungsdaten, was maßgeblich die regionale Verteilung steuert. Ihr Urteil: Vor allem das hydrologische Regime, also Niederschläge und Tiefe des Grundwasserkörpers entscheidet über die dominante Landnutzung. Moderate bis niedrige Jahresniederschläge und ein tiefer Grundwasserspiegel sind demnach Hauptargumente für eine ackerbauliche Nutzung. Dies wird mit den entsprechenden Bodentypen (Luvisol/Cambisol) assoziiert. Auf nassen Flächen (Gleye, Fluvisole, Histosole) findet eher Grünlandnutzung statt. Der Einfluss der Bodenart kommt vor allem dort zum Tragen, wo ackerbauliche Nutzung vorherrscht, und ist für Grünland eher nachrangig. Bodentypen sind vor allem dann entscheidend, wenn Flächen betrachtet werden, die von Grünland in Ackerland umgewandelt wurden. Nicht erwähnt sind aber bodenchemische Einflussfaktoren, die wir beispielhaft durch eine Studie von Müller et al. (2021) anhand des Boden-pHs diskutieren. Begleitend wird zudem eine Studie von Stetter & Cronauer (2024) besprochen, die ebenfalls auf regionalisierte Kenndaten eingeht. Hier geht es um die Frage, wie Landwirte auf Basis von Bodeneigenschaften und Klima methodisch Anpassungsstrategien entwickeln – was sich ebenfalls auf die Landnutzung auswirken kann.