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Back to EpisodesMit Haut und Haar
Description
„Das ist doch reine Verschwendung! Kann man das Geld nicht sinnvoll nutzen?"
Diesen Satz habe ich vor gut zwanzig Jahren gehört. Und ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Damals hatte der Kirchenvorstand unter meiner Leitung beschlossen, neue Abendmahlskelche anzuschaffen – schön sollten sie sein, würdig, ästhetisch ansprechend. Und ja: auch teuer. Nach der Sitzung kam ein Gemeindeglied aufgebracht auf mich zu: „Hätte man das Geld nicht besser für soziale Zwecke verwenden können? Für unsere Partnergemeinde in Tansania zum Beispiel?"
Diese Frage ist nicht neu. Schon im Johannesevangelium taucht sie auf. Dort salbt Maria die Füße Jesu mit kostbarem Nardenöl. „Das ist doch reine Verschwendung! Kann man das Geld nicht sinnvoll nutzen?" Dreihundert Silbergroschen werden – so erzählt es der Evangelist Johannes – zumindest aus der Sicht von Judas Iskariot sinnlos verprasst. Auch in der Antike gab es Luxusgüter, die von weit her eingeführt wurden. Die Narde ist im Himalaya beheimatet, sie enthält ein aromatisches Öl von intensivem Duft, das die Narde zu einem kostbaren Gut machte. Zusammen mit anderen Ölen gemischt ergab es die Nardensalbe, die zu kosmetischen Zwecken eingesetzt wurde, aber auch in der Medizin Verwendung fand.
Wenn ich auf Basis biblischer Vergleichswerte feststelle, dass ein Silbergroschen, ein Denar dem Tageslohn eines Arbeiters entspricht, dann handelt es sich bei dem Gegenwert der Narde fast um ein Jahreseinkommen eines Arbeiters. Wenn ich das heutige durchschnittliche Einkommen in Deutschland zugrunde lege, komme ich auf umgerechnet fast 50.000 €. Das ist richtig Geld. Insofern ist der Vorwurf der Verschwendung, den Judas erhebt, nicht aus der Luft gegriffen. Auch wenn der Evangelist das Motiv, das hinter der kritischen Bemerkung des späteren Verräters steht, als sehr zweifelhaft erscheinen lässt – Judas möchte nur in die eigene Tasche wirtschaften – auf der sachlichen Ebene kann ich die Kritik ja durchaus verstehen. „Das ist doch reine Verschwendung."
Reine Liebe – ohne Hintergedanken
Mit einer entwaffnend nüchternen Aussage entkräftet Jesus die Argumentation seines Jüngers: „Lass sie. Es soll gelten für den Tag meines Begräbnisses. Denn Arme habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit." Jesus möchte damit nicht den Einsatz für die Ärmsten der Armen in Frage stellen. Er weist nur darauf hin, dass das Engagement für die Menschen auf der Schattenseite immer möglich sein wird. Aber jetzt in den Tagen vor seinem Kreuzestod geht es um ihn, der den Weg nach Jerusalem geht, den Tod für die Seinen auf sich nehmen und begraben wird. Die Salbung weist auf seinen Tod und sein Begräbnis. Das allein steht nun im Zentrum.
Daher nimmt Jesus Maria in Schutz. Ihr Motiv ist reine, zweckfreie, unverfälschte Liebe. Sie erwartet nichts von Jesus, keinen Dank, keine besondere Zuwendung, kein Gegengeschenk. Sie bringt sich ganz ein in die Beziehung mit Jesus – tatsächlich mit Haut und Haar: Mit ihrem Haar trocknet sie Jesu Füße. Es ist reine Liebe – ohne Hintergedanken. Hierin ist Maria ein bleibendes Vorbild: Alles, was ich bin und habe, in die Beziehung mit Jesus legen, meine Liebe zu ihm offen und ehrlich zeigen, das ist Lobpreis.
Was hier geschieht, ist musikalisch aus meiner Sicht nirgends schöner und treffender festgehalten als in Gerhard Tersteegens Lied „Ich bete an die Macht der Liebe". In der Vertonung durch Dimitrij Bortniansky ist der Choral heute noch Teil des Großen Zapfenstreiches der Bundeswehr. Hier heißt es:
Wie bist du mir so zart gewogen. Und wie verlangt dein Herz nach mir! Durch Liebe sanft und tief gezogen neigt sich mein Alles auch zu dir. Du traute Liebe, gutes Wesen, du hast mich und ich dich erlesen.
Ist diese enge Jesus-Beziehung, die Gerhard Tersteegens Lied und Maria