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Description
Der unaufgeregte Pfarrer
Er war einer von uns. Auch er leitete Kirchengemeinden. Pfarrer war er mit Leib und Seele und viel Herz. Ich lernte ihn bei einem Seminar kennen. Angeboten wurde der Kurs für Pfarrerinnen und Pfarrer, die eine Auszeit in ihrem Dienst gut gebrauchen konnten. Gemeinsam schauten wir auf den Weg zurück, den wir bisher gegangen waren. Wir tauschten Erfahrungen aus. Auch er erzählte. Von Schönem in seinem Alltag und von Schwerem. Doch nun war seine Kraft kleiner geworden. Ja, er war einer von uns. Aber er war nicht so wie ich, nicht wie andere. Vieles konnte er anders bewerten und annehmen. Er strahlte Ruhe aus, Gelassenheit. Unaufgeregt – dieses Wort gebrauchte er oft. Unaufgeregt – er sagte es nicht nur einfach dahin, er war es auch. Manchmal regte mich sein Unaufgeregtsein richtig auf. Wie machte er das bloß?
Lazarus zwischen Leben und Tod
Von einem, der ruhig blieb, während andere aufgeregt waren, berichtet auch unser Bibeltext. Was hatte sie in Unruhe versetzt? Ein Mensch war sehr krank geworden. So krank, dass er wohl nicht mehr lange zu leben hatte. Maria und Martha, seine Schwestern, sorgten rührend für ihn. Aber jetzt konnten sie nichts mehr für ihn tun. Es war ganz bitter für sie, ihren Bruder leiden und wohl auch sterben zu sehen. In ihrer Not wandten sie sich an einen guten Freund. Sie ließen ihm ausrichten, wie es um ihren Bruder Lazarus steht. Es war Jesus, an den sie ganz besonders dachten.
Aber der Herr hatte keine Eile. Warum zögerte er? Es heißt doch, dass er Martha, Maria und Lazarus sehr lieb hatte. Seine Zurückhaltung begründete er so: „Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde." Vieles sprach dafür, dass es mit dem Kranken zu Ende gehen würde. Seine Krankheit führte also sehr wohl zum Tod. Es hätte freilich auch anders kommen können. Jesus hatte manchen, die im Sterben lagen, geholfen und sie von ihrer Krankheit geheilt.
Auch das Leben von Lazarus hätte er erhalten können. Aber mit ihm hatte Jesus offenbar anderes im Sinn. Seine Erkrankung sollte der Verherrlichung Gottes dienen, ja, den Herrn selbst verherrlichen. Im griechischen Text des Neuen Testaments kann „verherrlichen" auch mit „ehren, rühmen" wiedergegeben werden. Der Zustand des Lazarus diente dem Ziel, die Majestät Gottes und den Glanz seines Sohnes sichtbar zu machen. Das gewaltige Licht des Himmels sollte das irdische Dunkel überstrahlen.
Doch nun wollte Jesus keine Zeit mehr verlieren. Auf zu Lazarus! Doch seine Schüler hatten es gar nicht eilig. Denn dort, wo der Kranke wohnte, war das Leben ihres Herrn in großer Gefahr. Doch Jesus hielt an seinem Plan fest. Noch war es nicht Abend geworden in seinem Leben. Die Nacht war noch nicht da. Dann hätte er nichts mehr tun können. Aber es war ja noch Tag. Diese Zeit wollte Jesus auf jeden Fall nützen. Also Ruhe bewahren, gelassen bleiben, unaufgeregt sein und tun, was zu tun ist.
Ein Missverständnis und der Mut des Thomas
Vor dem Eintreffen bei Lazarus hatte Jesus seinen Jüngern noch etwas Wichtiges mitzuteilen: „Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, ihn aufzuwecken." Welche glückliche Wendung! Wenn Lazarus wirklich eingeschlafen war, dann wa