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Sexuell Ăźbertragbare Erkrankungen in der Proktologie - mit Dr. Daniel Sterzing
Description
đď¸ Klinisch Relevant â Sexuell Ăźbertragbare Erkrankungen in der Proktologie
Gast: Dr. Daniel Sterzing, Proktologe, Berlin
Thema: Ăberblick Ăźber sexuell Ăźbertragbare Infektionen (STI) mit proktologischer Relevanz
In dieser Episode sprechen wir mit Dr. Daniel Sterzing ßber sexuell ßbertragbare Erkrankungen im proktologischen Kontext. Welche Infektionen sind besonders relevant? Wie präsentieren sie sich klinisch? Und worauf sollten Kolleg:innen aus anderen Fachrichtungen unbedingt achten?
đŚ Virale Infektionen 1ď¸âŁ Humane Papillomaviren (HPV)
Sehr hohe Inzidenz, insbesondere in GroĂstädten
Relevanz nicht nur in der Gynäkologie, sondern auch in der Proktologie
Risikogruppen:
MSM (Männer, die Sex mit Männern haben), v.a. mit HIV
Frauen mit vaginalen Dysplasien (häufig kein routinemäĂiges anales Screening!)
Immunsupprimierte Patient:innen
Klinisches Spektrum:
Feigwarzen (Condylomata acuminata)
Anale Dysplasien
Progression bis zum Analkarzinom mĂśglich
Symptome häufig unspezifisch (Juckreiz) oder fehlend
Wichtig: Frßhzeitig hinschauen! Auffällige Hautveränderungen ggf. biopsieren.
2ď¸âŁ Herpes-simplex-Virus (HSV)
Erreger des anogenitalen Herpes
Leitsymptom: starke Schmerzen, oft disproportional zum Befund
Klinisch: kleine Bläschen perianal oder genital
Diagnostik:
Meist Blickdiagnose
Bei Unsicherheit: PCR-Abstrich
Therapie:
Systemische antivirale Therapie (z. B. Valaciclovir 2Ă500 mg fĂźr 10 Tage)
Plus Schmerztherapie
Rezidive mĂśglich â ggf. suppressive Langzeittherapie
3ď¸âŁ Mpox (ehem. Affenpocken)
Ausbruch 2022, erneute Fälle 2025 (Clade 1b)
Ăbertragung u. a. durch engen kĂśrperlichen/sexuellen Kontakt
Schmerzhafte, ulzerierende Läsionen an der Eintrittspforte
Diagnostik: PCR
Meldepflicht an das Gesundheitsamt
Quarantäne: 3 Wochen
Therapie meist symptomatisch (Verlauf in der Regel selbstlimitierend)
Impfung empfohlen fĂźr Risikogruppen (MSM)
đŚ Bakterielle Infektionen 4ď¸âŁ Chlamydien
Häufigste bakterielle STI im proktologischen Bereich
Verursachen Proktitis mit:
Blutung
eitrig-serĂśsem Ausfluss
Schmerzen
Sonderform: Lymphogranuloma venereum (LGV)
Kann wie ein Rektumkarzinom imponieren (Pseudotumor!)
Wichtigste Differenzialdiagnose bei jungen Patienten
Differenzialdiagnose: Colitis ulcerosa
Diagnostik: PCR-Abstrich
Therapie:
Doxycyclin 100 mg 2à täglich
7 Tage (unkompliziert)
21 Tage bei LGV
5ď¸âŁ Gonokokken (Gonorrhoe)
Rektale Gonorrhoe mit eitrigem Ausfluss
Klinisch nicht zuverlässig von Chlamydien zu unterscheiden
Häufig Koinfektionen â Multiplex-PCR empfohlen
Therapie:
Ceftriaxon 2 g i.v. als Single Shot
Problem: zunehmende Resistenzen (international bereits multiresistente Stämme)
Bei Therapieversagen â infektiologische Mitbehandlung
6ď¸âŁ Syphilis
Inzidenz lange steigend, 2025 erstmals rßckläufig
âChamäleon der Medizinâ
Stadium I:
Ulcus durum (perianal leicht mit Analfissur verwechselbar)
Oft schmerzhaft durch Superinfektion
Stadium II:
Exanthem (stammbetont)
Condylomata lata (DD: Feigwarzen)
Diagnostik:
Serologie (keine PCR)
Therapie:
Penicillin i.m. als Depot (Standard)
Bei Penicillinallergie: Doxycyclin
Wichtig: Interdisziplinäre Zusammenarbeit (Neurologie bei Neurosyphilis!)
𩺠Wichtige Take-Home-Messages
STI sind häufig â auch im proktologischen Setting.
Symptome sind oft unspezifisch oder schambesetzt.
Immer groĂzĂźgig an infektiologische Diagnostik denken.
Multiplex-PCR erleichtert die Differenzierung.
Differenzialdiagnosen (CED, Karzinom, Fissur) stets im Blick b