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Sternengeschichten Folge 692: Der blaue Drache des Ostens und Chinas Sterne
Description
Sternengeschichten Folge 692: Der blaue Drache des Ostens und Chinas Sterne
In dieser Folge der Sternengeschichten geht es um die chinesische Astronomie. Oder besser gesagt: Es geht um einen ganz bestimmten Aspekt der Astronomie, die früher in China betrieben worden ist. Es ist genau so unmöglich, DIE chinesische Astronomie in einer Podcastfolge darzustellen, wie es unmöglich ist DIE Astronomie darzustellen. Und in der Gegenwart betreibt man in China dieselbe moderne Astronomie die auch im Rest der Welt betrieben wird. Es geht also in dieser Folge um die Art und Weise, wie man in China früher den Himmel betrachtet hat und vor allem darum, wie man dort Ordnung geschaffen hat. Hier bei uns, in Europa, hat man dafür die klassischen Sternbilder verwendet, die über Mesopotamien und die griechisch-arabische Antike zu uns gelangt sind. Darüber habe ich ja schon in einigen Folgen des Podcasts gesprochen; ich habe auch einige Folge speziell zu bestimmten Sternbildern gemacht, und so weiter.
Auch in China ist man schon vor über 2000 Jahren mit den astronomischen Vorstellungen aus Mesopotamien in Kontakt gekommen; der klassische Tierkreis, über den ich in Folge 684 ausführlich gesprochen habe und seine Orientierung an der scheinbaren Bewegung der Sonne über den Himmel, hat aber nicht so wirklich zu den Vorstellungen der Menschen in China gepasst. Dort hat man sich mehr am Lauf des Mondes orientiert. Der Tierkreis beschreibt ja die Regionen am Himmel, durch die sich die Sonne scheinbar im Laufe eines Jahres bewegt. In China war viel wichtiger, was der Mond im Laufe eines Monats macht und dementsprechend waren auch die Sterne wichtiger, die sich am Himmel dort befindet, wo sich der Mond entlang bewegt. Eine Runde um den Himmel absolviert der Mond in knapp 28 Tagen. Genauer gesagt: in 27,32 Tagen; das ist ein sogenannter "siderischer Monat", also die Zeitspanne die es braucht, bis der Mond von der Erde aus gesehen in Bezug auf die Sterne wieder dieselbe Position einnimmt. Passend dazu hat man die Region des Himmels, durch die sich der Mond in diesen fast 28 Tagen bewegt in 28 Bereiche eingeteilt, die "xiu" genannt werden, was man mit "Wohnsitz" übersetzen könnte. Und ich entschuldige mich an dieser Stelle gleich für den Rest des Podcasts für meine Aussprache der chinesischen Wörter, die mit Sicherheit nicht korrekt ist.
Das System der Einteilung des Himmels in China unterscheidet sich generell ziemlich stark von dem, das wir in Europa gewohnt sind. Es gibt keine klassischen Sternbilder; man ist eher an eine Adressangabe erinnert. Neben den 28 Wohnsitzen gibt es auch noch die drei Gebiete oder "Einfassungen", die den chinesischen Kaiserhof selbst am Himmel repräsentieren. Das erste davon ist das "Gebiet des Kaiserpalasts" oder die "Purpurne verbotene Einhegung". Im Zentrum davon steht der Polarstern, also der Himmelsnordpol, um den herum sich alles dreht - natürlich ein Symbol für den Kaiser selbst. Die Sterne um die Himmelsnordpolregion herum sind zu Asterismen zusammengefasst, also zu markanten Sterngruppen, die andere Aspekte des kaiserlichen Hofs symbolisieren. Es gibt die "linke Mauer", die "rechte Mauer", das "Gästehaus" und so weiter. Aber auch Sterne, die die Frauen und Konkubinen des Kaisers darstellen, die führenden Minister und Richter und andere Beamte am Kaiserhof. Die anderen beiden großen Gebiete sind das "Gebiet des höchsten Palastes" und das "Gebiet des himmlischen Marktes". Sie umfassen die Regionen die östlich und nördlich beziehungsweise westlich und südlich des Gebiets des Kaiserpalasts am Himmel zu finden sind. Das Gebiet des höchsten Palasts liegt zum Beispiel dort, wo wir die Sternbilder Löwe oder Jungfrau haben und der himmlische Markt ist in der Region unserer Sternbilder Herkules, Schlange und Schlangenträger. Auch die anderen beiden Gebiete sind entsprechend in weitere Asterismen unterteilt. Insgesamt wurden 328 individuelle Sterne in d