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Die zwölf Fluchworte

Published 5 months, 1 week ago
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Der Bibeltext 5. Mose 27,11-26 – ausgelegt von Hans-Günter Mohn.

Als ich diesen Bibeltext gelesen habe, konnte ich mir die Szene regelrecht in meinem Kopfkino vorstellen. Beide Berge überschauen das Tal Sichem, im heutigen Westjordanland. Der Berg Garizim im Süden und der Berg Ebal im Norden. Beide sind etwa 900 Meter hoch und liegen von Gipfel zu Gipfel betrachtet etwa drei Kilometer auseinander.

Tatsächlich wird der Berg Ebal schon im vorherigen Abschnitt erwähnt. Mose hatte dem Volk Israel geboten, alle Gebote Gottes auf Denksteine zu schreiben und sie auf dem Berg Ebal aufzurichten. Die getünchten und dann beschrifteten Steine sollten Gottes Volk an seine Gebote erinnern. Offenbar brauchte das Volk steinharte Erinnerungen an das, was Gott seinem Volk geboten hatte, damit sie seine Gebote nicht vergessen.
 

Die Zeremonie auf den Bergen Garizim und Ebal

Neben dieser Zeremonie mit den Gedenksteinen gebot Mose eine weitere, weitaus dramatischere Zeremonie. Die Hälfte der Stämme Israels sollte nach der Überquerung des Jordans auf den Berg Garizim steigen – konkret die Stämme Simeon, Levi, Juda, Issachar, Josef und Benjamin. Ihr Auftrag war es, von dort das Volk zu segnen. Interessanterweise werden die Segenswünsche im Bibeltext nicht erwähnt.

Die andere Hälfte der Stämme Israels – konkret Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naftali – sollten den Berg Ebal besteigen, um zu verfluchen. Der Ablauf der Zeremonie war klar von Mose beschrieben: „Und die Leviten sollen anheben und zu allen Männern Israels mit lauter Stimme sagen: Verflucht sei…" (5. Mose 27,14-15a). Im weiteren Verlauf des Textes werden dann zwölf Vergehen bzw. Gesetzesübertretungen genannt, aufgrund derer diese Flüche ausgesprochen werden.

Die Leviten waren also das Sprachrohr Gottes in dieser einzigartigen Zeremonie. Und jeder der zwölf Flüche wurde von den Leviten mit den Worten eingeleitet: „Verflucht sei…"

Und auch die Antwort des Volkes auf jeden der zwölf Flüche war bereits festgelegt: „Und alles Volk soll sagen: Amen." Mit anderen Worten: Auf die Warnung der Leviten hin, diese Gebote nicht zu brechen, sollte das Volk zur Antwort geben: „Alles klar! Verstanden! Dieses Schlimme und Böse soll über uns kommen, sollten wir diese Gebote Gottes brechen."

Spannend fand ich beim Lesen des Textes, dass keine Inhalte dieser zwölf Flüche beschrieben werden. Es wird also nichts über die Substanz der Flüche geschrieben, … also wie sich die Flüche in der Konsequenz auswirken werden. Es wird aber mit aller Deutlichkeit beschrieben, welche Vergehen, … welche Gesetzesübertretungen einen Fluch zur Folge haben werden.

Konkrete Beschreibungen der Flüche – also was passieren wird, wenn … – folgen dann im 28. Kapitel des 5. Mosebuches.

Doch was sind überhaupt Flüche? Nach meinem Verständnis ist ein Fluch der entschlossene Wunsch, dass übe

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