Episode Details
Back to EpisodesPaulus in Griechenland, Troas und Milet
Description
Man sagt ja, Sitzen sei das neue Rauchen. Viel Sitzen gilt als sehr gesundheitsschädigend. Spätestens ab 8 Stunden wird es kritisch. Es gibt einen, der das bestätigen kann. Er verkörpert es wie kein anderer. Er ist der Kronzeuge dieser These. Für ihn war am Fenster sitzen definitiv noch schlechter als am Fenster zu rauchen.
Eutychus – übersetzt: der Glückliche
Paulus predigte weiter, immer weiter, immer weiter ... Weiß nicht, wie ausgefallen das war, auf jeden Fall ist einer rausgefallen. Komplizierter Fall … Kennen Sie den Witz vom Pfarrer und vom Hühnerbauer?
Ein Pfarrer will den Sonntagsgottesdienst feiern und sieht in den Bänken nur einen einzigen Bauern sitzen. Er will den Gottesdienst mangels Beteiligung absagen.
Da spricht ihn der Bauer an und sagt: „Herr Pfarrer, wenn ich hinausgehe, um die Hühner zu füttern und es kommt nur ein einziges, dann lass ich es nicht hungrig weggehen.“
Der Pfarrer ist beschämt und beflügelt gleichermaßen. Er steigert sich in seine Predigt hinein und findet fast kein Ende.
Schließlich, beim Abschied an der Tür meint der Bauer: „Wenn zu mir nur ein einziges Huhn kommt, dann schütte ich ihm nicht den ganzen Futtereimer vor die Füße.“
Sind Sie noch wach? Sind Sie noch da?
Zurück zum Fall Eutychus:
Nicht die Worte von Paulus überwältigten ihn, sondern der Schlaf und dann gleich noch des Schlafes Bruder, der Tod.
Drei Stockwerke mögen für eine wache Katze eine ideale Höhe sein, um sich zu drehen und auf den Pfoten zu landen. Für einen schlafenden Menschen eine fatale Höhe. Ausgang: tödlich. Und dann sagt Paulus bei Luther allen Ernstes: Macht kein Getümmel oder Geschrei, sprich: Macht keinen Aufstand! War es Paulus vielleicht peinlich? Passiert ja auch nicht jeden Tag, dass man jemanden totpredigt.
In der Herder-Bibel heißt es sehr vornehm: Beunruhigt euch nicht. Paulus selber war wahrscheinlich schon eher beunruhigt. Elia, Elisa und Petrus hatten in Obergemächern Menschen wieder zum Leben erweckt, bei Paulus ging es jetzt andersrum.
Dass ich heute so launig über diesen Abschnitt aus der Apostelgeschichte plaudern kann, liegt daran, dass es gut ausging. Der junge Mann hat überlebt, besser gesagt: er wurde auferweckt.
Aufrüttelnde Predigten?!
Das eigentliche Drama liegt nicht darin, dass Eutychus aus dem Fenster gefallen ist. Müde von der Arbeit. Einen freien Sonntag gab es noch nicht. Das Drama liegt darin, dass sich die Geschichte in einer Variante seither tausendfach wiederholt hat. Menschen langweilen sich bei einer Predigt oder einem Bibelgespräch. Ich frage zwischendurch nochmal zur Sicherheit: „Sind Sie noch wach? Sind Sie noch da? Ich hoffe, Sie sitzen nicht am offenen Fenster!“
Darf ich Sie und mich das so fragen: „Erwarten Sie jetzt hier und heute etwas von Gottes Wort? Oder sind Sie nahe am Koma-Schlaf?“
Woran liegt es, dass wir etwas interessant finden oder nicht? Haben Sie sich jemals bei einem guten Gespräch mit einem geliebten Menschen gelangweilt? Ich erinnere mich an Gespräche, bei denen nicht die Länge das Problem war. Das Problem war die einsetzende Morgendämmerung und der erzwungene Aufbruch. Das Traurige war, dass wir das Gespräch irgendwann beenden mussten. Wie kann es sein, dass mich ein Gespräch über meinen geliebten HERRN langweilt? Nichts anderes sollten doch Andachten und Predigten sein, oder? Sind Sie noch da? Sind Sie noch wach? Es ist kein Drama, wenn eine Predigt mal kein Rhetorik-Feuerwerk abbrennt. Wenn die Vergleiche nicht alle zünden und der Beamer abraucht – was soll´s!
Ein Drama ist doch, wenn nichts passiert. Wenn ich den Eindruck habe: Da ist keine Liebe im Spiel. Keine Leidenschaft, da brennt kein Feuer. Wenn ich aber merke: Der Mensch da vorne spricht von etwas, das er über alles liebt, dann interessiert es mich. Da kann dann auch je