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Die Verteidigungsrede des Paulus (1)

Published 9 months, 4 weeks ago
Description
Der Bibeltext Apostelgeschichte 26,1-23 – ausgelegt von Gerhard Göller.

Es ist schon lange her. Aber diese Begegnung werde ich nie vergessen. Ich saß mit meiner Frau auf einer Bank in einem Park. Eine Frau kam zu uns und fragte, ob sie sich zu uns setzen dürfe. Wir kamen miteinander ins Gespräch. Zunächst über das Schöne, das wir ringsum entdecken konnten. Mit der Zeit entstand eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre. Und dann erzählte sie. Sie erzählte die Geschichte ihrer Tochter. Ihr ganzes Leben war von großem Leid gezeichnet. Die Mutter wünschte sich so sehr, dass ihr Kind eine gute Zukunft hat. Dass ihre Tochter leben darf. Für das Wohl ihres Kindes war sie sogar bereit, ein sehr großes Opfer zu bringen. Dann sagte sie, was sie an den dunklen Tagen trägt: Es war das Gebet. Unsere gemeinsame Zeit ging zu Ende. Die Frau, die uns ihr Herz geöffnet und ihre Last mit uns geteilt hat, stand auf. Bevor sie den Park verließ, drehte sie sich noch einmal um und winkte uns zu. Ich bin Gott von Herzen dankbar, dass ich Hörer ihrer Geschichte sein durfte. Eine Geschichte, die mich bis heute tief berührt.

Die Geschichte des Paulus

Er erzählt auch eine Geschichte. Es ist seine Geschichte. Sein Name ist Paulus. Und das ist seine Geschichte: „Jesus? Ich habe es nicht ertragen, wenn Menschen seinen Namen in den Mund nahmen. Jesus war doch ein toter Mann. Am Kreuz war es aus mit ihm. Gut so! Denn dieser Mann hatte für eine Menge Ärger gesorgt. Weniger gut war: Auch jetzt kehrte keine Ruhe ein. Es gab Leute, die an ein Märchen glaubten und ein sehr dummes Gerücht verbreiteten. Amtlich tot sei er gewesen, dieser Jesus, und im Grab sei er sicher verwahrt gewesen. Aber schon kurze Zeit später wäre sein Leichnam verschwunden gewesen. Doch dann hätten einige ihn leibhaftig gesehen. Gestern noch mausetot und heute wieder quicklebendig - so ein Schwachsinn!

Aber die Leute haben es geglaubt. Da konnte ich nicht tatenlos zusehen. Ich musste durchgreifen. Wer auf diesen Jesus schwor, den habe ich mir gegriffen. Ich wollte alle, die zu der Sekte der Christen gehörten, vernichten. Für mich gab es nur eine Wahrheit: der Gott, von dem die Schriften des Alten Testaments berichten. Die Gebote, der er seinem Volk Israel gegeben hat, waren für mich absolut verbindlich. Mein Leben lang habe ich alle Vorschriften genau befolgt. Jeder, der zu Gott kommen will, muss seinen Willen vollständig erfüllen.

Aber die Jesusleute sagen: An Christus führt kein Weg vorbei. Niemand kann genau so leben, wie es Gott von ihm erwartet. Alles, was nötig ist, hat Jesus bereits für uns getan. Er macht ein Leben in Freiheit und in Freude möglich. Jesus ist Leben. Wenn du leben willst, dann geh deinen Weg mit ihm.

Aber ich, Paulus, habe von diesen Sprüchen nichts gehalten. Ich wollte mit allen Mitteln verhindern, dass meine Glaubensgenossen verunsichert werden. Was habe ich die Christen gehasst! Ja, ich bin über Leichen gegangen.“

Paulus bei Herodes Agrippa

Soweit die Geschichte des Paulus. Er erzählt sie. Diesmal erzählt er seine Geschichte einem mächtigen Mann. Sein Name ist Agrippa. Es ist Herodes Agrippa der Zweite. Er residiert in Caesarea und ist der Herrscher über ein Gebiet im Norden Israels. Er ist der Enkel jenes Königs Herodes des Großen, der zur Zeit der Geburt Jesu viele Kinder töten ließ. Wie aber kommt Paulus mit Agrippa zusammen?

Das ist die Geschichte von Paulus. Aber es ist nicht die ganze Geschichte. Sie ist noch abenteuerlicher, noch gewaltiger. Denn die Angehörigen des jüdischen Volkes betrachten Paulus längst als ihren Erzfeind. Sie sagen: „Du hast unsere Sache verraten. Du willst uns von unserem Glauben abbringen!“

Als Paulus in Jerusalem erscheint, stellt sich eine wütende Menschenmenge gegen ihn. Doch römische Soldaten schreiten ein und führen Paulus ab. Die staatlichen Behörden verweigern die Herausgabe des Gefangenen, zumal er sich auf sein römisches B

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