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Der priesterliche Segen

Published 9 months, 2 weeks ago
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Der Bibeltext 4. Mose 6,22-27 – ausgelegt von Ralf Gotter.

Was für ein Geschenk, dieser Segen Gottes! Gott, der Herr, hat das Volk Israel auf wunderbare Weise aus der ägyptischen Gefangenschaft befreit. Es kann heimkehren in das Land Kanaan, das Gott bereits seinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob versprochen hat. Und Gott schließt einen Bund mit seinem Volk. Am Berg Sinai schenkt er ihm die zehn Gebote. Zehn gute Maßstäbe, damit die Gemeinschaft der Menschen mit Gott und miteinander gelingt. Als Zeichen dafür, das Gott mit seinem Volk ist, lässt er die Stiftshütte errichten, das transportable Heiligtum, mit dem das Volk unterwegs sein wird.

Jetzt könnte es losgehen. Jetzt könnte das Land Kanaan eingenommen werden. Jetzt könnte die Verheißung wahr werden. Doch es kommt zunächst ganz anders. Das Volk Israel wird durch eigene Schuld nicht in einigen Monaten, sondern erst nach 40 Jahren am Ziel sein. Das vierte Buch Mose berichtet davon. Und dennoch: Am Anfang der langen Wüstenwanderung gibt es dieses einzigartige Geschenk, diesen Segen Gottes! Gott weiß, auf wen er sich da eingelassen hat mit seinem Volk Israel. Mehrfach heißt es in der Bibel so wie im zweiten Buch Mose, Kapitel 33, als der Herr zu Mose sprach: „Sage zu den Kindern Israel: Ihr seid ein halsstarriges Volk!“

Immer wieder lesen wir in den Mose-Büchern von der Unzufriedenheit dieses Volkes, von seinem Klagen und Murren und vom Gericht Gottes als Folge davon. Das Volk Gottes ist ein schwieriges Volk. Doch so ist das nicht nur mit Israel. Wir als Christen, wir als Gemeinde, haben absolut keinen Grund, uns über dieses Volk zu stellen. Wir sind nicht die bessere Truppe. Wir sind keinesfalls die, bei denen alles ok ist. Wieviele Irrwege der christlichen Kirche gab es in den letzten 2000 Jahren bis in unsere Zeit? Wie viel falsche Wege oder Einsichten gab es in meinem Leben?

Der Apostel Paulus schrieb über sich: „Das Gute, das ich tun will, tue ich nicht und das Böse, das ich nicht tun will, tue ich.“ Gott weiß, auf wen er sich einlässt, und er tut es trotzdem, bis heute. Der Weg mit seinen Leuten beginnt damit, dass er sich jedem einzelnen zuwendet. Jedem will er seinen Segen schenken.

In den Versen 22 und 23 heißt es: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet.“

Es gibt viele biblische Segensworte und Zusagen. Aber es gibt nur diesen einen aaronitischen Segen, diese Segensworte, die zunächst Aaron und seinen Söhnen von Gott aufgetragen werden. Es gibt auch viele Gebete, die wir in der Bibel nachlesen können. Aber es gibt nur ein Gebet, das Vaterunser, das Jesus uns gelehrt hat und von dem er einleitend sagt: Darum sollt ihr so beten. Wie beim Vaterunser ist der Wortlaut dieses aaronitischen Segens von Gott selbst vorgegeben.

Dieser Segen, der über einen Menschen ausgesprochen wird, ist keine magische Formel. Sondern Segen bedeutet, dass Gott einem Menschen Gutes zuspricht, sein Heil, seine Gnade und seine Liebe. Der Segnende ist immer Gott selbst.

Wir sind wir nur die Überbringer des Segens Gottes, wenn wir andere Menschen segnen. Nicht nur Pfarrer oder Priester, sondern jeder, der mit Gott lebt, kann so ein Überbringer sein. Im 1. Petrusbrief, Kapitel 2, heißt es, dass jeder, der Jesus nachfolgt, zum „königlichen Priestertum“ gehört und wer dazu gehört, ist auch berufen, den Segen Gottes weiterzugeben. Im Gebet für und mit anderen, im stillen Gebet auch für die, die einem nichts Gutes tun wollen, im Gottesdienst der Gemeinde oder mit einem kurzen „Sei gesegnet“.

Gott hat uns die Aufgabe gegeben, Segen zu empfangen und weiterzugeben. So auch diesen aaronitischen Segen. Er ist ein ganz persönlicher Zuspruch.

Der Herr segne dich und behüte dich, so beginnt er. Das heißt: Der Herr tue dir Gutes und bewahre dich vor dem Bösen. So wie ein Hirte für seine Schafe sorgt, ihnen

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