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Back to EpisodesBileam soll Israel verfluchen, aber er muss es segnen (4)
Description
Fluch und Segen haben die Menschen schon immer eine besondere Bedeutung beigemessen, nicht nur zur Zeit des Alten Testaments. Auch heute noch wünschen wir uns Gottes Segen füreinander, zu besonderen Anlässen wie zu Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen oder vor einem Aufbruch in eine neue Lebensphase. Dahinter steht der Wunsch, dass Gott einem Gelingen schenken möge, Wohlstand, Wohlergehen und Glück, aber dahinter steht auch die konkrete Erfahrung, dass mit dem Segen Gottes Frieden in die Herzen und Häuser einzieht. An Gottes Segen ist alles gelegen. So ist es über mancher Haustür in alter Schrift zu lesen.
Der Fluch wiederum spielte früher im Rechtsleben eine wichtige Rolle. Er diente als Behelf gegen Rechtsbrecher, die man nicht fassen oder überführen konnte. Ein Fluch verfolgt einen Menschen ein Leben lang, beraubt ihn seiner Freiheit, haftet ihm sozusagen an wie eine lebenslängliche Haftstrafe. Heute verfluchen wir eher unausgesprochen und in Gedanken uns nicht angenehme Personen und Situationen, um sie loszuwerden.
Das hebräische Denken sieht im gesprochenen Wort eine wirkende Macht. Seine Wirkung hängt von Art und Bedeutung der sprechenden Persönlichkeit ab. Bestimmte Menschen sind mit besonderer Segensmacht begabt. Das kann mit einer besonderen Amtsstellung und Weihe zusammenhängen, wie wir sie bei Priestern finden, die zum Abschluss des Gottesdienstes die Gemeinde segnen. Oder aber diese besonders wirkende Macht beruht auf einer außerordentlichen Veranlagung.
So war es bei Bileam, einem Mann, der vor etwa 3.200 Jahren im Vorderen Orient lebte. Von ihm heißt es: „Wen du segnest, der ist gesegnet, und wen du verfluchst, der ist verflucht.“ (4. Mose 22, 6). Balak, der König der Moabiter, wusste um diese besondere Begabung. Er will sich diese Begabung zunutze machen, denn das Volk Israel ist ihm schon lange ein Dorn im Auge. Deshalb bittet er Bileam, das Volk Israel zu verfluchen. Er sagt: „So komm nun und verfluche mir das Volk, denn es ist mir zu mächtig; vielleicht kann ich´s dann schlagen und aus dem Lande vertreiben.“ (4. Mose 22, 6). Er versucht es mit Geld und Wahrsagerei. Er sucht sich Verbündete unter den Midianitern, schickt zuerst die Ältesten zu Bileam, dann die Fürsten der Moabiter, dann noch mächtigere Fürsten. Keinem gelingt es, Bileam dazu zu bringen, dass er mit ihnen zieht und das Volk verflucht, denn Gott selbst stellt sich ihm in den Weg und hindert ihn daran. Und Bileam hört auf die Stimme Gottes. Er spricht zu den Gesandten Balaks: „Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des Herrn, meines Gottes, weder im Kleinen noch im Großen.“ (4. Mose 22, 18). Denn Gottes Wort sagt: „Geh nicht mit ihnen, verfluche das Volk auch nicht, denn es ist gesegnet.“ (4. Mose 22, 12)
Dieser Segen Gottes zieht sich durch die Geschichte des Volkes Israel bis heute in die Gegenwart hinein. Welchen starken Anfeindungen hat sich das Volk Israel schon ausgesetzt gesehen. Immer wieder rannten große mächtige Herrscher gegen dieses Volk an. Judenverfolgungen, Nachbarvölker, die das Volk Israel bekämpfen und es auslöschen wollten. Die letzte unvorstellbar große Anfechtung, der Holocaust, liegt gerade mal achtzig Jahre zurück. Und seit dem grausamen Anschlag der Hamas im Oktober 2023 hören wir fast täglich in den Nachrichten vom Kampf des Staates Israel gegen die Terrororganisation. Nichts von alledem konnte dem Volk Israel den Willen zum Überleben nehmen. Und auch der moderne Staat Israel erweist sich in den zahllosen Konflikten seiner Geschichte und in der Gegenwart als stark. Er ist nicht nur militärisch hoch gerüstet, sondern Israel ist auch wirtschaftlich ein blühendes Land, ist in der Weltgemeinschaft anerkannt und hat starke Verbündete.
Aber auch die Forderungen derer, die Israel verfluchen wollen, verstummen nicht. Sie sind laut, und sie werden täglich lauter.