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Vom Senfkorn und vom Sauerteig

Published 8 months, 3 weeks ago
Description
Der Bibeltext Lukas 13,18-21 – ausgelegt von Hans-Jürgen Lieber.

Jesus versteht sich auf Menschen. Er möchte sie gewinnen. Jetzt erst mal am See Genezareth. Das ist so etwas wie seine Kanzel. Hier kann er seine Botschaft verkünden.  Da fühlt er sich sicherer als in Juda. Die Menschen strömen ihm zu. Was versprechen sie sich von ihm und seiner Jüngerschar? Was könnte er der Menschenmenge sagen? Es gibt ja keinerlei Vorankündigung. Jesus spricht immer frei, kenntnisreich und noch dazu anschaulich! Hier am Seeufer, in idyllischer Lage, da lässt sich frei reden. Und Aufmerksamkeit ist garantiert. Jesus wählt ein Thema aus, das viele Menschen umtreibt. Das Reich Gottes. Zuflucht in unruhigen Zeiten. Was könnte das sein? Wo könnte man es finden? Ein rätselhaftes Wort von einer jenseitigen Welt. Können das auch einfache Menschen verstehen? Menschen, die nie eine Schule besuchen konnten. Denen Ausdrücke wie „Reich Gottes“ erklärt werden müssen. Vielleicht völlig anders als von Geistlichen? Jesus wählt gern Gleichnisse aus. Schilderungen aus dem Alltagsleben der Menschen. Bekannte Dinge, wo sie mitreden können. Da stehen sie auf sicherem Boden. Sind gleichberechtigt.

Jahrhunderte später, als die Frohe Botschaft von Jesus Christus längst im Abendland angekommen ist, wählt man weiterhin Bilder. Zum besseren Verständnis der leseunkundigen Gläubigen. Die großen Kirchen sind voller Gemälde mit biblischen Geschichten. Gewaltige Glasfenster zeigen den Gläubigen die wunderbare Welt der Bibel.

Jesus wählt seinen Platz mit Bedacht.

Sein Thema hat er schon vorgegeben.  Das Reich Gottes. Er schaut den Zuhörern ins Gesicht. Was mögen sie wohl erwarten? Wieder ein Heilungswunder? Jetzt wird er keinen Kranken heilen. Doch er könnte ein Rätsel auflösen. Was ist das Reich Gottes? Und was hat das mit ihrem normalen Leben zu tun? Sehr viel! Das geht jeden an. Jesus spürt ihre Neugier. Sie erwarten eine klare Antwort. Erstmal fragt er sie zurück, „Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich's vergleichen?“ (Lukas 13,18). Da wird es still am Seeufer. Keiner wagt sich mit einer Antwort hervor. „Wem gleicht das Reich Gottes?“, Nun, was soll denn diese Frage.? Wie können wir einfachen Menschen das wissen? Ohne Vorbildung. Ohne gründliches Bibelwissen.

Jesus unterbricht ihr Schweigen. Und zeigt ihnen, dass sie ihre Scheu vor ihm ablegen können. Für Unwissenheit braucht keiner sich zu schämen. Also stellt er ihnen ein Bild vor, das ihnen etwas sagt. Das Himmelreich könntet ihr euch so vorstellen: „Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und in seinen Garten säte; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen.“ (Lukas 13,19). Da sind die Zuhörer erstmal verblüfft. Ein Senfkorn, dieser Winzling von 1-2 Millimeter Durchmesser soll das Reich Gottes verkörpern? Und wenn es zum Baum wächst, dann sind nach unseren heutigen Maßstäben immerhin 9 Meter Höhe möglich. Groß genug für jede Menge Vogelnester.

Aber, kommt es auf Baumhöhe an? Nein, es geht um Veränderung. Ihr Leben, vielleicht nur Senfkorn groß, kann größer und größer werden. Mit Gottvertrauen und Gottes Hilfe. Sie können über sich selbst hinauswachsen zu Kindern Gottes. Schritte gehen in neue Richtungen. Die Welt und ihre Mitmenschen mit neuen Augen sehen. Das ist schon baumstark. Die Zweifel über sich und andere ablegen. Nach vorn leben. Mit Gottes Hilfe. Und nicht zurückschauen auf ihr altes Leben im Senfkornformat. Nein, schaut besser nach oben in die Baumkrone. Dort könnt ihr das Reich Gottes erahnen. Vielleicht gehen wir sogar gemeinsam? Ich warte am Wege auf euch.

Nach einer kurzen Pause, in der sich alle mit Getränken versorgen können, fährt Jesus fort: „Womit soll ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.“ (Lukas 13,20-21)

Vielleicht

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