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Back to EpisodesDie zehn Aussätzigen
Description
Es war schon ein alltägliches Ritual. Immer, wenn wir Kinder ein Geschenk oder eine Hilfe bekamen, sollten wir dies bewusst annehmen. „Und was sagt man?“ - „Danke!“ Denn: „Nichts ist selbstverständlich“. Wahrscheinlich kennen auch Sie ähnliche Rituale.
Um mehr als ein Ritual geht es in der heutigen Bibellese. Von der Heilung der zehn Aussätzigen berichtet nur das Lukasevangelium. In den anderen Evangelien finden wir diese Erzählung nicht. Sie ist eine Wundergeschichte. Für Lukas geht es bei den Wundern Jesu nicht nur um Jesus. Vielmehr sind dies Zeichen für das Reich Gottes. So werden wir in der Zukunft mit Gott leben: Ohne Leid, Schmerzen und Klage. So soll es uns in der Gegenwart mit Gott gut gehen: Durch Wohlstand, Gesundheit und Gerechtigkeit.
Nach Lukas kennt Gottes Liebe keine Grenzen. Grenzen im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinne. Jesus ist für alle Menschen da, die der Hilfe oder Rettung bedürfen. Ohne Unterschied. Einerlei, wer sie sind. Egal, welche Last sie drückt. Jesus ist ein Freund der Benachteiligten und Ausgestoßenen. Er kümmert sich um Arme, Kranke und Frauen. Er isst mit Zöllnern und Sündern. Jesus Christus ist der Erlöser der Juden, Samariter und Heiden. Auch in den heutigen Versen lesen wir von Menschen am Rande der Gesellschaft, von Heilung und – von Dankbarkeit.
Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem. Auf dem Weg zu Passion und Auferweckung. Im Grenzgebiet zwischen Samaria und Galiläa begegnet er am Rande eines Dorfes zehn Männern. Sie leiden an Aussatz oder Lepra. Schlimmer kann es für sie nicht mehr kommen. Zur Zeit Jesu ist Lepra unheilbar und ansteckend. Wenn einer daran erkrankt, ist er zu Lebzeiten zum Tode verurteilt. Vor dem körperlichen Sterben erlebt er auch ein soziales Sterben durch Isolation. Denn die Gesunden fürchten sich vor der Krankheit, vor Ansteckung und vor dem Erkrankten. Darum wird der Aussätzige ausgegrenzt vom öffentlichen Leben. Auch am Gottesdienst darf er nicht teilnehmen. Trennung scheint der einzige sichere Schutz zu sein. So leben die Aussätzigen wie in einem Ghetto. Alleingelassen sogar von Familien und Freunden. Ohne Hilfe und Berührungen, ohne Wärme und Geborgenheit.
Gott sei Dank ist heute auch für Aussätzige Heilung möglich. Nicht zuletzt durch das Wirken der deutschen Ärztin und katholischen Ordensfrau Ruth Pfau in Karatschi, in Pakistan. Bis zu ihrem Tod, 2017, widmete sie ihr Leben ganz der Arbeit mit Leprakranken. Sie ermöglichte jenen ein Leben in Würde. Dank ihres Einsatzes wurden aus Kranken Geheilte und aus Aussätzigen Menschen in der Mitte der Gesellschaft.
Wie ganz anders war dies zur Zeit Jesu! Damals fühlten sich Leprakranke nicht nur von den Menschen verlassen. Auch Gott schien für sie ganz weit weg. Krankheiten, und vor allem solche wie Aussatz, galten als Strafe Gottes für Sünden. Eine scheinbar ausweglose Situation. Und genau in dieser Not greift Gott in das Leben jener zehn Aussätzigen ein. Sie haben von Jesus und seinem Kommen gehört. Wenn ihnen überhaupt jemals einer helfen kann, dann er. Darauf vertrauen sie.
Nach den Reinheitsgesetzen jener Zeit dürfen Aussätzige sich anderen Menschen nicht nähern. Also bleiben die Zehn in der vorgeschriebenen Entfernung von mindestens fünfzig Metern, als Jesus ihnen näherkommt. Über diesen Abstand hinaus schreien sie ihm ihre ganze Not entgegen: „Jesus lieber Meister, erbarme dich unser!“ Und er erbarmt sich ihres Elends. Er baut eine Beziehung auf zu den Menschen in der Isolation. Er berührt die Kranken zwar nicht. Er heilt sie auch nicht unmittelbar. Aber Jesus zeigt ihnen persönliches Interesse und Aufmerksamkeit. Er schaut sie an. Er sieht ihren Glauben. In dieser Zuwendung liegen Liebe und Verstehen, Kraft und Ermutigung. Und so bestärkt schickt er sie zu den Priestern in Jerusalem. Denn nur jene entschieden über rein und unrein. Sie diagnostizierten Aussatz.