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Back to EpisodesDie Gräuel des Götzendienstes im Tempel (2)
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Ja, man könnte sich wirklich aufregen über diese Leute, die den lebendigen Gott verlassen haben, um heidnische Götter anzubeten. Frauen beweinen den Tammus, einen sumerischen Vegetationsgott, der stirbt und im Frühling wieder lebendig wird. Andere halten sich Zweige an ihre Nase, um den Geruch der Fruchtbarkeitsgötter einzuatmen und sie zu ehren. Wieder andere beten sogar die Sonne an und verneigen sich vor ihr. Wie kann man als Volk Gottes so tief fallen? Unbegreiflich, wenn man bedenkt, was Gott alles für sein Volk getan hat!
Aber überlegen wir einmal, was alles passiert war: Die Babylonier hatten den Tempel, in dem die Gegenwart Gottes wohnte, geschändet, ohne dass Gott eingriff. Die heiligen Geräte waren entweiht und teilweise geraubt worden.[1] Und Gott ließ das zu! Die Oberschicht Judäas wurde nach Babylon verschleppt. Das Land war verwüstet. Jerusalem in Trümmern. Das war nicht nur eine militärische Katastrophe, sondern auch eine geistliche Krise. Denn für das Königreich Judäa bedeutete das ja: Unser Gott ist ohnmächtig. Er hat sich nicht gewehrt, als man sein Haus geplündert hat. Er ist kraftlos geworden. Die anderen Götter sind zweifellos mächtiger. Wir haben uns geirrt, uns auf den falschen Gott verlassen. Er hat uns verraten. Um zu überleben, müssen wir nun die anderen Götter anbeten.
Mitten in dieser absoluten Krise rückt der Prophet Hesekiel mit seiner Botschaft die Dinge wieder zurecht. Was sich für uns heute nach einem rachsüchtigen Gott anhört, der sein Volk bestraft, das ist in Wirklichkeit ein Wort der Klarheit mitten im Durcheinander. Gott sagt durch diese harte Botschaft: Ich bin nicht machtlos, ihr habt mich verraten, obwohl ich euch über hundert Jahre lang mit Engelsgeduld durch meine Propheten gewarnt habe. Weil ihr die Mitte eures Lebens verlassen habt, deswegen seid ihr kraftlos geworden. Ihr habt den Schutz verloren und müsst nun die Konsequenzen tragen.
Manchmal können drastische Worte hilfreich sein, weil sie Licht in das Dunkel bringen.
Was aber den Propheten Hesekiel vor allem auszeichnet, das sind nicht nur solche harten und klaren Worte, sondern seine gewaltigen Visionen. Wer war dieser Hesekiel? Er stammte aus einem Priestergeschlecht und ihm war alles wichtig, was die Heiligkeit Gottes betonte. Er hat in den ersten Jahrzehnten des sechsten Jahrhunderts vor Christus prophezeit.
Seine Visionen handeln von einem Gott, der sein abtrünniges Volk nicht vergisst. Hesekiel sieht Totengebeine, die lebendig werden: Ein Bild für die geistliche Erneuerung Israels. Und er sieht die Herrlichkeit Gottes auf einem Wagen, den die Cherubim-Engel auf Rädern quer durch die Wüste fahren. Wohin? Zu den Verbannten nach Babylon.
Damit hatte keiner gerechnet. Und Hesekiel, der Priester, ist erschüttert, dass die Heiligkeit Jahwes in das heidnische Land umzieht, denn ihm liegen die Verbannten am Herzen. Das ist das Ziel der Botschaft des Propheten: Die Verräter liegen Gott immer noch am Herzen, obwohl er verletzt und zornig ist wie in unserem Text.
Und das ist typisch für Gott. Ein Psalmist hat es in prägnanter Kürze so ausgedrückt: „Sein Zorn währt einen Augenblick, doch lebenslang seine Gnade“ (Psalm 30).
Die Ehrlichkeit der Bibel hört sich manchmal schockierend an. Drastisch werden uns unsere Irrwege präsentiert, denn der Gott Israels ist ein leidenschaftlicher Gott.
Es ist wie bei einem Suchtkranken. Bevor er oder sie nicht zu der Erkenntnis durchstößt: Ich bin abhängig und komme alleine nicht mehr aus diesem Teufelskreis heraus, kann keine Heilung erfolgen. Hesekiel ist wie ein Arzt, der die Wunden offenlegt und Dreck und Verkrustungen entfernt und die Medizin aufträgt, die schmerzt, aber letzten Endes zu einer Heilung führt.
Und deshalb ist es gut, solche harten Texte im Zusammenhang zu lesen und zu bedenken: Das sind nicht die letzten Worte