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Back to EpisodesGott richtet jeden nach seinem Tun und wartet auf Umkehr
Description
Die Väter haben saure Trauben gegessen, aber den Kindern sind die Zähne davon stumpf geworden (Hesekiel 18, 2).
Das war zur Zeit Hesekiels ein gängiges Sprichwort. Es entstand aufgrund der Aussage Gottes in 2. Mose 20,5, die besagt, dass alle „Missetat der Väter von Gott an deren Kindern bis ins dritte und vierte Glied heimgesucht wird“. Wenn ich das mit eigenen Worten ausdrücke, dann sage ich so etwas, wie: „Was die Eltern angerichtet haben, das müssen die Kinder ausbaden.“
Mit diesem Sprichwort gibt es jedoch zwei Probleme.
Das erste Problem ist, dass sich die Aussage Gottes im 2. Mosebuch meiner Meinung nach ausschließlich auf die Bundesbeziehung bezieht. Haben die Eltern den Bund mit Gott verlassen, so galt dies auch für ihre Kinder und Kindeskinder. Sie sind nicht mehr Teil des Bundes. Was die Eltern im Zusammenhang mit ihrem Bund mit Gott angerichtet haben, das betrifft auch die Kinder. Daher gehen viele Menschen davon aus, dass sich die Aussage Gottes aus 2. Mose und damit auch das Sprichwort auf sämtliche Verfehlungen der Vorfahren beziehen. Aber das ist nicht der Fall.
Das zweite Problem ergibt sich aus dem ersten. Man bezieht das Sprichwort auf jedes Vergehen und auf jedes Fehlverhalten. Es ist das gängige Verständnis, dass Sünde vererbt wird und auf die Nachkommen übergeht.
Dass sich dieses Verständnis viele Jahrhunderte in den Köpfen der Menschen hält, beweist eine Szene aus dem Johannesevangelium. Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und sie kommen an einem Mann vorüber, der blind geboren ist. Und die Jünger fragen Jesus folgendes (Johannes 9,2):
Meister, wer hat gesündigt, er selbst oder seine Eltern, dass er Blind geboren ist?
Hier zeigt sich, dass dieses Verständnis von der Sünde der Vorfahren ganz tief in den Köpfen der Menschen eingeprägt ist.
Einige Kommentatoren sind der Ansicht, dass aus diesem Denken heraus eine Art Alibi-Einstellung entstanden ist. Die Menschen geben sich keine Mühe mehr, Gott zu gehorchen, weil das ja wegen der Sünden ihrer Vorfahren zwecklos ist. Aber Gott sagt zu Hesekiel: Mit diesem Sprichwort ist jetzt Schluss.
In Vers 3 verkündet Hesekiel:
So wahr ich lebe, spricht Gott der Herr: Dies Sprichwort soll nicht mehr unter euch umgehen in Israel.
Später in Vers 20 erklärt er:
Denn nur wer sündigt, der soll sterben. Der Sohn soll nicht tragen die Schuld des Vaters, und der Vater soll nicht tragen die Schuld des Sohnes, sondern die Gerechtigkeit des Gerechten soll ihm allein zugutekommen, und die Ungerechtigkeit des Ungerechten soll auf ihm allein liegen.
Was Gott hier sagt, ist sehr wichtig, denn es gilt heute noch genauso, wie zur Zeit Hesekiels:
Jeder Mensch steht allein mit seiner Schuld und seinem Leben vor Gott.
Was die Vorfahren gegessen, getan oder nicht getan haben, hat keinen Einfluss auf die Beziehung eines Menschen mit Gott. Schuld und Sünde sind nicht erblich. Sie werden nicht von Eltern auf ihre Kinder vererbt. Das muss Hesekiel dem Volk Israel erklären. Und was ich dabei so besonders spannend finde, ist, dass es damals galt und heute noch genauso wahr ist.
Die Frage, ob Sie ewiges Leben bei Gott haben oder die Ewigkeit woanders verbringen, hat nichts mit Ihrer Familiengeschichte zu tun. Sie hat nur mit einer einzigen Person etwas zu tun: Mit Ihnen, mit Ihnen ganz allein. Mit Ihnen und Ihrer Beziehung zu Gott.
In seinem Kommentar zu Hesekiel fasst Gerhard Maier diese ganze Thematik mit dem Satz „Gesetz der persönlichen Verantwortung“ zusammen.
Er schreibt dazu:
Jeder für sich erntet für seine »Gerechtigkeit« göttlichen Lohn, und jeder für sich hat auch die Folgen seiner »Ungerechtigkeit« zu tragen[1]
Ich kann also das Vers