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Back to EpisodesJerusalems Blutschuld und Schandtaten
Description
Die ältere Dame lächelt freundlich und zufrieden. Sie ist ehrenamtlich sehr engagiert. Sie lebt mit Gott. Dann sagt sie: „Und jeden Tag versuche ich etwas Schönes zu machen – nur für mich selber.“
Es ist wichtig, dass wir Menschen an uns selbst denken. Es ist so wichtig, dass wir uns selbst nicht vergessen. Also, dass wir Zeit nur für uns haben: Um etwas zu tun für unsere eigene körperliche und geistige Gesundheit; um uns einmal etwas Schönes zu gönnen: einen guten Film ansehen oder schöne Musik hören, etwas richtig leckeres essen und genießen. Es ist wirklich wichtig, dass wir uns selbst und unsere Bedürfnisse nicht vergessen.
Aber schnell schießen wir auch über das Ziel hinaus. Schnell verlieren wir das richtige Maß. Nämlich dann, wenn wir immer mehr und mehr an uns denken und wenn wir am Ende dann nur noch an uns selbst denken. Ich stehe in der Gefahr, meine Familie, meine Freundinnen und Freunde, meine Nachbarn oder Kollegen ganz zu vergessen. Und ich merke, dass das dann noch eine andere Folge hat: ich vergesse Gott, wenn ich nur noch an mich selbst denke.
Der Kernsatz unseres Bibeltextes steht am Ende des zwölften Verses: „… und mich vergisst du! spricht Gott der HERR“.
Schon oft habe ich mitten in einem Gespräch oder beim Lesen der Bibel gedacht: Hoppla, da habe ich ja glatt Gott und meine Mitmenschen in den Wirren des Alltags vergessen. Jetzt habe ich ja nur noch an mich gedacht: An meine Sicherheit, meinen Wohlstand, mein Vergnügen, meinen Spaß oder meinen Willen, Macht und Einfluss für meine eigenen Anliegen einzusetzen.
Also: dass wir an uns selbst denken, ist gut und wichtig. Aber nur noch an uns selbst denken, das führt dazu, dass wir Gott und unsere Mitmenschen völlig vergessen. Es geht um die Kunst, das eine zu tun, aber dabei das andere nicht aus dem Blick zu verlieren. Es geht um die Kunst, ein rechtes Maß zu finden und zu halten.
Hesekiel gibt uns viele Beispiele von dem, was passiert, wenn Menschen Gott, und damit auch ihre Mitmenschen, vergessen. Einigen dieser Beispiele wende ich mich jetzt zu.
Ich vergesse Gott, wenn ich die Alten vergesse. In Vers 7 heißt es: „Vater und Mutter verachten sie.“
Hier sind nicht die Konflikte zwischen pubertierenden Jugendlichen und ihren Eltern gemeint. Hier geht es vielmehr um die alternden und alten Eltern, ja, um die alten Menschen überhaupt. Diese fordern unsere Familien, die Pflegeeinrichtungen und die Gesellschaft oft sehr heraus. Jüngere können sich das vielfach nicht richtig vorstellen, was es heißt, älter oder alt zu werden. Schnell kommt es dazu, dass alte Menschen, für die es kein richtiges Verständnis gibt, schlicht verachtet werden. Viele wenden sich von ihnen ab. Sie vergessen ihre Bedürfnisse und ihre Sorgen.
Wir vergessen Gott, wenn wir die „Fremdlinge“, die Migrantinnen und Migranten, vergessen, denn ebenfalls in Vers 7 lesen wir: „Den Fremdlingen tun sie Gewalt und Unrecht an.“ Wo wir Gott vergessen, vergessen wir, dass jeder Mensch von Gott geschaffen ist und somit auch seine Würde hat. Das gilt unabhängig von seiner Herkunft. Gewiss gibt es in Hinsicht auf Migrantinnen und Migranten viele ungeklärte Herausforderungen in unserem Land, um deren Lösung gerungen werden muss. Lösungen, die mit Gewalt und Unrecht herbeigeführt werden sollen, sind aber gewiss nicht in Gottes Sinn.
Wir vergessen Gott, wenn wir den Sabbat, den Tag des HERRN, den Sonntag, vergessen.
In Vers 8 steht: „Du … entheiligst meine Sabbate“. Der entscheidende Punkt des Tages des Herrn ist die Ruhe. Es geht darum, dass wir von unserer Arbeit ruhen und dem Sorgen um unser Leben für einen Tag eine Pause gönnen. Ruhe ist in unserer Zeit, die voller Tempo und wachsender Anforderungen ist, ein enorm kostbares Gut. Diejenigen, die Gott nicht vergessen, haben da eine gute Basis. Sie sind ein