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Freiheit, die sich bindet

Published 5 months, 3 weeks ago
Description
Der Bibeltext 5. Mose 15,12-18 – ausgelegt von Stefan Schmidt.

Das irritierende Bild und die Frage dahinter

Was ist das Letzte, woran Sie sich aus dem gerade gehörten Bibeltext erinnern? Ich vermute: Es geht Ihnen wie mir: Mir klingt vor allem dieses eine Bild nach. Ein Mensch. Ein Türpfosten. Ein durchstochenes Ohr.

Es ist ein merkwürdiges Bild, ein fremdes Bild. Es irritiert den einen, und einen anderen stößt es sogar ab. Außerdem passt dieses Bild nicht so recht zu den anderen Versen. Und genau deshalb bleibt es mir im Kopf.

Wenn eine Aussage aus der Bibel eine solche Spannung in mir auslöst, lohnt es sich für mich, innezuhalten und nachzufragen: Was soll das Bild bedeuten? Warum wird einem Menschen das Ohr durchbohrt? Und was hat das mit einem guten und liebenden Gott zu tun?

Vielleicht das Wichtigste vorweg: Das Bild ist nicht das, was man sich in der damaligen Zeit darunter vorstellte. Nein, hier wird niemand an einen Türpfosten genagelt. Niemand wird fertiggemacht, festgehalten oder gequält. Es geht um ein kurzes Durchstechen des Ohrläppchens – vergleichbar mit dem Ohrlochstechen, wie wir es heute kennen. Ein ganz kurzer Moment, der nur wenige Sekunden dauerte. Das ist kein Gewaltakt, sondern ein Zeichen.

Texte wie diese, die bereits mehrere tausend Jahre alt sind, führen uns in eine Welt, die uns fremd ist. Diese Welt funktioniert ganz anders als unsere heutige Welt. Es gab damals andere Alltagsprobleme und Herausforderungen. Und Gott wollte mit diesen Aussagen bei den Menschen damals etwas anderes bewirken, als was mir heute durch den Kopf geht.


Armut, Schuldsklaverei und Gottes Schutzgrenzen

Nun, auch damals war es so, dass Menschen in Armut geraten konnten. Allerdings gab es damals noch keinen Sozialstaat, wie wir ihn in Deutschland kennen. Wer verarmte, der musste im wahrsten Sinne des Wortes um seine Existenz fürchten. Es ging um Leben und Tod. Es ist als eine Art Schutz zu sehen, dass sich damals Menschen in Armut selbst als Sklaven verkaufen konnten, um so die Schulden zu begleichen und die Familie zu retten. So war es auch in Israel.

Was Gott nun sehr deutlich machen möchte, ist Folgendes: Wenn es schon so ist, dass sich ein Mensch als Sklave verkaufen muss, dann ist er keine rechtlose Ware, sondern es geht um eine Schutzmaßnahme zum Überleben und um Würde. Ein Mensch, der sich als Sklave verkauft, wird kein Besitz eines anderen. Er wird nicht zu einer Sache, er bleibt immer noch ein Mensch.

Darum setzt Gott hier klare Grenzen: Nach sechs Jahren ist Schluss. Im siebten Jahr soll der Knecht wieder frei werden. Aber nicht still und heimlich. Auch nicht mit leeren Händen, sondern versorgt, gestärkt, mit einer neuen Perspektive.

Der Herr des Knechtes soll ihn ohne Groll und mit Dankbarkeit für seine Arbeit und der gemeinsamen Zeit gehen lassen.

Die Sklavenschaft eines Israeliten soll also nur ein Zwischenstand sein. Das Ziel ist für Gott die Freiheit. Von Anfang an. Und selbst in dieser Zwischenzeit soll ein Sklave gut behandelt werden. Am Ende dieser sechs Jahre hat der Sklave zwei Möglichkeiten: Er kann gehen, gut versorgt, bereit für einen Neustart, wieder selbst für sich Verantwortung zu übernehmen und ohne Schulden. Doch er kann auch sagen: „Ich liebe meinen Herrn und sein Haus. Es geht mir gut hier. Ich will nicht frei werden. Ich will hierbleiben.“

Dahinter steht kein religiöser Druck oder eine Pflicht. Es ist seine freiwillige Entscheidung. Und genau diese Entschei

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