Episode Details
Back to EpisodesSoviel du brauchst
Description
Eine Karte als Erinnerung
Eine nette Karte, die mir geschenkt wurde, hat mir zu denken gegeben. Da stand, neben einem Baum in sattem Grün, der in Herzform geschnitten war: »Ich gebe dir, so viel du brauchst. – Gott«. Also die ziemlich klare Botschaft: Da ist ein Gott, der dich liebt. Und er sorgt für dich! Keine Angst: Er versorgt dich mit dem, was du brauchst! Du kannst dein Leben nicht selbst sichern, und du brauchst es auch nicht! Ich, sagt Gott, gebe dir, was du brauchst!
Sicherheiten – und woran mein Herz hängt
Für mich ist das eine wichtige Erinnerung, weil dieser Satz so herausfordernd ist. Von klein auf war das in meiner Herkunftsfamilie ein ständig mitlaufendes Thema: fleißig sein, sparen, Rücklagen bilden, vorsorgen, auf eigenen Beinen stehen, sich hocharbeiten, immer noch ein bisschen mehr können, lernen, haben oder dazugewinnen. Von daher kenne ich das beruhigende Gefühl, wenn Kühlschrank und Speisekammer gut gefüllt sind. Das Sparkonto, sichere Geldanlagen, ein ganzes Bündel von Versicherungen und diverse Anschaffungen verführen dazu, zu denken, ich hätte doch gut vorgesorgt und sei doch bestens abgesichert.
Manchmal bin ich mir gar nicht sicher: Vertrau’ ich wirklich auf Gott und dass er für mich sorgt – oder verlasse ich mich letztlich hinter solch frommen Worten doch auf mein Hab und Gut, auf das, was ich mir erarbeitet und erworben habe und so schnell auch nicht herzugeben bereit bin? Klar spende ich und teile, aus Überzeugung und mit einem dankbaren Herzen. Aber wenn ich mehr als genug habe, ist es nicht so schwer, freigiebig zu sein – obwohl manche Menschen auch das nicht schaffen! Doch alle Sicherheiten aufzugeben, das Geld oder das Haus zu verschenken, den Kühlschrank leer zu lassen – das fällt mir schwer.
Und dann entsteht unweigerlich die Frage, woran mein Herz wirklich hängt: An meinem Vermögen, dem, was ich habe, kann und bin – oder an der Zusage Gottes: Ich gebe dir, was du brauchst?
Das Erlassjahr: Gesetze, die zum Teilen rufen
Der Text des Tages aus dem 5. Buch Mose formuliert Gesetze zum sogenannten „Erlassjahr“, das alle sieben Jahre gehalten werden soll. Doch im Grunde ist es ein göttlicher Appell, die Armen, Notleidenden, nicht hängen zu lassen. Vorausgesetzt werden Bestimmungen im zweiten und dritten Mosebuch, nach denen alle sieben Jahre ein „Sabbatjahr“ zu halten ist, also Äcker und Weinberge nicht bewirtschaftet und auch nicht abgeerntet werden sollen. Also ein Sabbat für das Feld bzw. den Weinberg, alle 7 Jahre.
Und nach siebenmal sieben Jahren, also faktisch alle 50 Jahre, soll in einem „Erlassjahr“ aller zwischenzeitlich verkaufter oder verpachteter Grundbesitz wieder an den ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden. Der Erwerb von Land soll also nicht zu dauerhaftem und vererbbarem Besitz führen, sondern ist immer nur ein „Kredit“, ein Vertrag auf Zeit. Im 5. Buch Mose wird dieser Gedanke dann auf das schon jeweils siebte Jahr angewandt und konkretisiert. Ausländer sind ausgenommen, weil es sich bei ihnen nicht um einen Kredit aus der Not heraus handelt, sondern um Verkäufe mit der Absicht, Gewinne zu erzielen. Solche Geschäfte müssen nicht rückabgewickelt werden.
Doch beim Nachbarn und Bruder geschehen solche Leihgaben aus Not und Bedürftigkeit. Vielleicht kann er durch Missernten oder Schicksalsschläge den Kredit nicht wie vereinbart tilgen. Wie auch immer: Spätestens im siebten Jahr – je nachdem, zu welchem Zeitpunkt etwas geliehen oder verpachtet wurde – erlöschen alle Schulden. Der Text mahnt eindringlich – in der „Du-Anrede“ – dazu, nicht taktisch zu denken und mit hartem Herzen und zugehaltener Hand (5. Mose 15,7) dem bedürftigen Nächsten ein Darlehen zu verweigern. Oder sogar bei herannahendem Erlassjahr überhaupt keinen Kredit mehr zu gewähren – denn das Geliehene muss ja