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Gottes Wahl kostet

Published 5 months, 4 weeks ago
Description
Der Bibeltext 5. Mose 14,22-29 – ausgelegt von Traugott Farnbacher.

Gottes Wohnstätte und Segen

Aufs Erste wirkt es schon recht eigenartig. Die gehörten Bibelverse verbinden drei verschiedene Dinge eng miteinander: Was wir „freien, fortschrittlichen" Christen zuweilen auseinanderhalten wollen, gehört hier direkt zusammen:
1. Gott wählt für seinen heiligen Namen eine Wohnstätte – natürlich nicht ohne Zweck.
2. Nahrung, also alle Art von Essen, wird das Volk im endlich bewohnten Verheißungsland produzieren – und das in Fülle und Vielfalt. Dies ist zwar Ergebnis der Arbeitskraft derer, die dieses Land nun nutzen werden. Aber nie kann die eigene Leistung von Gott dem Geber getrennt werden.
3. Ja, Gott erwartet Abgaben von den Landbesitzern, die Ackerbau, Vieh- und Obstwirtschaft betreiben werden. Ihr tägliches Auskommen, wenn das Ergehen der Arbeitenden gut gelingen will, muss unmittelbar auf den Geber des Landes und der Gaben bezogen sein. Gott bekräftigt, durch den Mund seines Knechts, wie Gott letztlich Ursache der Erzeugnisse seines Volkes bleibt. Damit hat er auch Rechtsanspruch auf Anteile darauf.

Wo Gott seinen Namen wohnen lässt – diese Stätte kommt schon in Sicht, wenngleich sie erst Jahrhunderte später errichtet wird. Was Gott einmal tun wird, sind keine leeren Träume, sondern im Geist bereits greifbar. Über alledem wird Mose wieder zum Propheten. Er malt ein Bild der Zukunft, als wäre sie schon eingetroffen: Städte gibt es schon; Entfernungen zur Stadt Gottes gibt es, die überwindbar sind. Für Tempeldienste Auserwählte aus dem Stamm Levi werden eingeteilt. Alles wirkt so, als sei die Wüstenzeit Geschichte und bald wird angebaut, um Lebensmittel zu erwirtschaften, Erträge zu verteilen – Früchte wie Tiere. Und gerade da hinein erklärt Mose in Gottes Namen Wichtiges: Gott erlässt die Verpflichtung zum „berühmten Zehnten" aller Erträge – auf den er Anspruch hat. Genau gesehen geht es dabei nicht einmal um eine Abgabe direkt an ihn oder seine Diener an heiliger Stätte. Lebensmittel sollen Erzeugern ebenso wie anderen Menschen nützlich bleiben.

Alle mit viel Aufwand gewonnenen Erträge des Volkes sind Zeichen des Segens, den Gott seinem Volk schenkt. Um genau dies nie zu vergessen, soll der zehnte Anteil von alledem vor seinem Angesicht verzehrt werden. Statt einer Spende ohne Gegenüber ist der Zehnte an die kommende Tempelstätte zu entrichten. Dieser Anteil soll also immer wieder an den Geber aller guten Mittel erinnern – Gabe statt pures Eigenprodukt. Der Verfügung laut freiem Willen der Erzeuger ist es damit entnommen. Wie sagen wir in Gottesdiensten, wenn kein konkreter Spendenzweck benannt wird? „Zur freien Verfügung", aber gewiss nicht zweckneutral: vielseitig verwendbar, da immer wieder Bedarf vorliegt.
 

Der Zehnte als Ausdruck der Dankbarkeit

Sollte aber der Weg vom Land, den Siedlern mit ihren Äckern zu weit sein – so bleibt Gott konsequent wie auch gütig: Er erspart den Stress anstrengender Transporte zu seiner Stätte. Wohl aber soll im Verkauf ein Erlös zustande kommen, der Gott geweiht ist. Wie und wozu denn? Um eine Art Marktwirtschaft zu betreiben, Geldhandel mit Zinsertrag für Gott? Das wäre zu kurz gedacht. Gott gibt das Land Kanaan seinem

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