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Blitze zucken

Published 4 months, 4 weeks ago
Description
Der Bibeltext 5. Mose 5,23-33 – ausgelegt von Hans-Christoph Werner.

Gottes Erscheinung am Berg Sinai

Tiefschwarze Nacht über dem ganzen Lager. Wenn das Feuer nicht gewesen wäre, man hätte die Hand vor den Augen nicht gesehen. Dazu tiefe, vibrierende Posaunentöne, die in den Ohren schmerzten. Manchmal war's, als würde eine geheimnisvolle Stimme im Wechsel mit den Posaunentönen zusammenhanglose Silben sprechen. Aber das Furchterregendste war, dass der ganze Berg, der Berg Sinai, in ein hoch aufloderndes Feuer gehüllt war. Über dem Feuer eine pilzförmige Rauchwolke. Blitze zuckten. Die Erde bebte. Das Fauchen des Feuers klang so unheimlich, als wollten sich die Flammen demnächst auf das Volk stürzen. Wenn nicht Mose vor dem Volk gestanden wäre, Groß und Klein, Alt und Jung wären längst davongelaufen. Selbst von Angst und Furcht erfüllt, wandten sich die Stammesoberhäupter und Ältesten Israels an Mose. „Elohim ist gewaltig, Gott ist mächtig. Wir haben seine Gegenwart in Feuer und Rauch, im Blitze-Zucken und in gewaltigen Posaunentönen erlebt. Aber das Feuer, dieses gewaltige Feuer mit seinem unheimlichen Fauchen, wird es demnächst auf uns stürzen? Wir bangen um unser Leben, wenn Gott weiter in dieser Weise mit uns spricht. Ja, gilt nicht, wer Gott hört, muss sterben?"

Aus tiefer Lebensangst ist diese Erklärung geboren. Und doch findet sich diese Aussage, liebe Hörer, nirgends in der Bibel. Dass der Mensch Gott nicht sehen kann, das steht wohl geschrieben. Und auch, dass der, der Gott sieht, nicht weiterlebt. Aber zum Hören finden sich gegenteilige Aussagen in der Schrift. Denken Sie etwa an den jungen Samuel. Er hört, dass eines Nachts auf geheimnisvolle Weise sein Name gerufen wird. Und antwortet dann: „Rede, denn dein Knecht hört.“

Es mag aus der Todesangst der Israeliten geboren sein, dass sie das Hören mit dem Sehen verwechselten. Wo doch das Hören, das gehorsame Hören, die Verheißung hat, dass daraus Leben entsteht. In Psalm 119, dem längsten Psalm der Bibel, ringt der Psalmbeter unablässig um das rechte Hören und Befolgen von Gottes Wort. Weil er weiß, dass daraus das Leben kommt.
 

Gottes Majestät damals und heute

Lassen Sie uns, liebe Hörer, einen Augenblick bei dem Erleben der Israeliten bleiben. Israel erlebt, unter Naturerscheinungen versteckt, Gottes Majestät. ER, der Schöpfer der Welt, sammelt Feuer und Rauch, Blitze und Erdbeben zusammen, um darin verborgen in seiner Herrlichkeit und Macht zu erscheinen. So erleben wir Gott heute in der Regel nicht mehr, auch wenn manches Ereignis, mancher sogenannte Zufall, manche Fügung für den Einzelnen deutlich Gottes Handschrift tragen mag. Die Situation der meisten Menschen heute ist die, dass wir nicht von Feuer, Rauch, Blitzen und Posaunentönen umgeben sind. Sondern von Straßenlärm, Handygeklingel, Geschäftigkeit und Hektik. Und vor lauter Bildern, Signaltönen und undefinierbaren Geräuschen hören wir überhaupt nicht mehr, hören wir Gott überhaupt nicht mehr. Viele sehnen sich danach, in stiller Sammlung und unter Ausschluss von allen Störungen wieder zu einem ruhigen und aufmerksamen Hören auf Gott zu kommen. Und wenn wir das nicht entschlossen in Angriff nehmen, uns die Minuten reservieren und alle Störungen ausschließen, wird uns das nicht gelingen.

Das Erstaunliche an unserem Text ist für mich, dass Gott dies dem Volk sogar zugesteht. Feuer, Rauch, Blitze und Posaunengetön, das soll außen vor bleiben, das muss sich das Volk nicht weiter zumuten. „Es ist alles gut, was sie geredet haben", heißt es da. Gott will über Mose zu seinem Volk reden. Er, Mose, soll vor Gott stehen bleiben, denn Gott will ihm alle Rechte und Gebote verkündigen. Und Mose soll das Gehörte dann wiederum an das Volk weitergeben.

So beginnt die Kette der Verkündiger, Zeugen und Boten. Im fünften Buch Mose ist es Mose, der alles ausrichtet und erklärt. Danach ist es Josua. Danach sind es die Ri

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