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Klage über treulose Freunde

Published 5 months ago
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Der Bibeltext Psalm 55 – ausgelegt von Thorsten Keller.

Durch den Psalm bekommen wir einen tiefen Einblick in König Davids Gedanken und seine Gefühlswelt. Wie man so schön sagt: in sein Herz. Das finde ich sehr spannend! Denn David wird von Gott selbst in der Bibel als Mann nach seinem Herzen beschrieben – nachzulesen in 1. Samuel 13,14 und in Apostelgeschichte 13,22.
Mein persönlicher Wunsch ist es ebenfalls, mein Herz immer mehr nach Gott auszurichten. Wenn Sie das auch verspüren, können wir heute vielleicht einige Erkenntnisse aus diesem Psalm für unser Leben mitnehmen. Die Psalmen Davids finde ich grundsätzlich sehr authentisch und ehrlich. Ich lese, wie David seine Gefühle und Gedanken beschreibt. Parallel dazu versuche ich, in der Bibel die Lebenssituation dazu herauszufinden. Natürlich kann ich diese nicht mit letzter Gewissheit feststellen, aber gerade bei diesem Psalm 55 spricht viel dafür, dass David folgende Lebenssituation darin beschreibt:
 

Verrat, Schuld und innerer Konflikt

Absalom, sein Sohn, hat sich gegen ihn gestellt. Er versucht, seinen Vater als König zu stürzen und das Volk gegen ihn aufzubringen. David muss vor seinem eigenen Fleisch und Blut aus Jerusalem fliehen! Davids enger Vertrauter und Freund Ahitofel wechselt die Seiten und fällt ihm in den Rücken – nachzulesen in 2. Samuel 15–17.
Was für eine unerträgliche Situation! Welche Ungerechtigkeit David hier widerfährt! Ich persönlich glaube aber, dass in dieser Situation noch ein ganz anderes Thema aufkommt: der eigene, innere Konflikt! War ihm diese Situation nicht von Gott selbst durch den Propheten Nathan angekündigt worden? „Ich, der HERR, sage dir: Aus deiner eigenen Familie lasse ich Unglück über dich kommen.“ (2. Samuel 12,11)
Nachdem David mit und durch Batseba auf vielen Ebenen gesündigt hatte, war das die Ankündigung Gottes als Konsequenz. Nachzulesen im 2. Samuel, Kapitel 12. Ich kann nur ahnen, wie diese Gedanken an David gefressen haben: Bin ich nicht selbst schuld an all dem Unglück? Habe nicht ich versagt und das Ganze erst hervorgebracht?
Auch ich persönlich kenne ein solches Gefühls- und Gedankenchaos aus meinem Leben! Die Gefahr dabei ist, sich in Schuldgefühlen, Scham und Frustration zu verlieren – am Ende aus genau diesen Gedanken heraus vielleicht sogar vor Gott zu fliehen. Ist das nicht die natürlichste Reaktion? Schauen wir, wie David damit umgeht:
Dass die Situation ihn bis ins Mark erschüttert, wird auf jeden Fall sehr deutlich: In Vers 6 beschreibt David eine fast nicht mehr zu ertragende Bedrängnis. Vielleicht sind Sie auch schon einmal bis ins Mark erschüttert worden. Vielleicht auch von einem engen Freund oder einer sehr nahestehenden Person betrogen worden. So etwas kann einem den Boden unter den Füßen wegziehen! „Das Grauen droht mich zu ersticken“ beschreibt David hier deutlich seinen Zustand.
Ab Vers 13 beschreibt David weiter, wie schwer ihn dieser Vertrauensbruch enttäuscht. Sehr ehrlich bringt er nicht nur seine Ohnmacht und Trauer zum Ausdruck, sondern dann auch seinen Zorn: Vers 16: „Der Tod soll meine Feinde wegraffen! Lebendig sollen sie ins Totenreich hinabfahren!“
Ich finde sehr faszinierend, dass David hier gegenüber Gott offensichtlich überhaupt keine Hemmungen hat, seine Gefühle auszudrücken. Völlig ungeschminkt „haut er seine Empfindungen raus!“ Diese Gefühle und Gedanken kenne ich auch nur zu gut! – aber bin ich auch so ehrlich gegenüber Gott? Was mir auch auffällt ist, dass Gott offenbar ganz selbstverständlich Davids Ansprechpartner für diese Themen ist. Er kommt unverblümt und ohne Fassade zu Gott. Unabhängig davon, ob David selbst sogar vielleicht ursprünglich schuld an der ganzen Situation ist.
 

Hinwendung zu Gott und Vertrauen

Ich glaube, dass genau darin ein Schlüssel liegt: Wie oft habe ich schon bei anderen Menschen über jemanden geschimpft. Das

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