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Back to EpisodesEingriff ins Markttreiben
Description
Vom Weihnachtsgeschäft zur Tempelreinigung
Der Rummel von Weihnachten ist rum. Die Geschäfte haben hoffentlich gute Geschäfte gemacht. In der Kirche und in unseren Gemeinden ist Weihnachten auch ein besonderes „Geschäft". Wir freuen uns über größere Besucherzahlen bei den vielfältigen Gottesdiensten und – ehrlich gesagt – auch über höhere Kollekten. Früher lästerte ich als Pfarrer in Weihnachtspredigten gerne mal über den Weihnachts-Rummel in den Kaufhäusern nach dem Motto: „Süßer die Kassen nie klingen als zu der Weihnachtszeit." Aber als ich mitverantwortlich wurde für einen ehrenamtlich geführten Weltladen, da wurde mir klar, wie wichtig das Weihnachtsgeschäft für einen Laden ist. Dass der Verkauf an Weihnachten die Bilanz für das ganze Jahr retten kann und oft muss. Und ich wurde barmherziger und verständnisvoller mit den Marktleuten, die ja auch an Weihnachten in der Kirche waren und die ich vielleicht verletzt hatte. Entschuldigen Sie bitte!
Jesus greift in der Geschichte von der Tempelreinigung auch in das Markttreiben ein. Es ist zwar schon die Vorbereitung für das Passafest, aber es geht auch hier – wie überall dort, wo Menschen Feste feiern und an heiligen Orten zusammenkommen – ums Geschäft. Die Händler verkauften die notwendigen Opfertiere – Tauben, Rinder, Schafe – an die Pilger, die von weither kamen und diese Tiere ja weder lebendig noch tot mitbringen konnten. Es war also ein für den vorgeschriebenen Brauch sinnvoller und nötiger Handel. Praktisch! – Wie kann Jesus so etwas kritisieren?! Man merkt, dass er ein Handwerkerkind ist und nicht in einer Händlerfamilie aufgewachsen ist. Die klügsten Händler versuchten natürlich, ihre Ware nicht irgendwo in Jerusalem an den Mann zu bringen, sondern so dicht wie möglich am Ort des Geschehens. Am besten im Tempel-Vorhof, so nah wie möglich an der Opferstätte. Dort konnten sie die besten Preise verlangen: Last Chance-Angebote eben.
Jesu heiliger Zorn und die menschliche Gier
Diese Praxis der geldgierigen Menschen verurteilt hier Jesus mit heiligem Zorn und Eifer. Jesus „wusste, was im Menschen war", heißt es am Ende des Textes (Vers 25b). Er weiß auch, wie wir Menschen noch heute ticken. Es hat sich nicht viel geändert. Es geht um den größten Gewinn. Um die irdischen Güter. Es geht um Wohlstand. Und dass wir uns etwas leisten können, auch in dem neuen Jahr 2026, das jetzt seine Fahrt aufnimmt. Wer will es uns verdenken? Wer weiß, wie lange wir noch in einem schon brüchigen Frieden wandeln und handeln können?
Geschäfte machen, einen für uns günstigen „Deal", darum geht es in der kleinen und der großen Politik. Auch oft in der Kirche, bei Christen, wie bei anderen Religionen auch. Es geht um unsere „Tempel", unsere Kirchen und Kapellen, unsere Gemeindehäuser, unsere Immobilien. Dabei bleibt aber der Mensch selbst auf der Strecke. Seine Bedürftigkeit nach Ruhe, nach Einkehr, nach Stille und Gebet. Nach einem Ort, wo er einen Resonanz-Boden für Gott findet. Nach einem besonderen, heiligen Ort, wo es nicht darum geht, wie wirksam ist etwas, es nicht um Geschäft, um ein Werk geht. Sondern wo man einfach Mensch sein darf.
Der Leib Christi als wahrer Tempel
„Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker!", zitiert Jesus aus dem Prop