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Den Wind besänftigen

Published 4 months, 2 weeks ago
Description

Ich bin in Wismar geboren. Die Stadt liegt direkt an der Ostseeküste. Das Meer ist meine Kinderstube. Hier bin ich zu Hause. Mit dem Herzschlag der Ostsee bin ich vertraut. Und nun lese ich im Liederbuch Israels, in Psalm 89,10: „Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.“ Da tauchen sofort Bilder in mir auf.

Der Psalmdichter hat sich auf Gott fokussiert. Seine Macht und Stärke will er beschreiben. Der unsichtbare Gott soll anschaulich werden. Wie das? Im Leben selbst kann er sich beweisen. 

Was ist das Motiv des Dichters? Warum will er das? Was treibt ihn an? Schon in Vers 2 desselben Psalms gibt er Auskunft: „Ich will singen von der Gnade des HERRN ewiglich und seine Treue verkünden…“ Das ist sein Thema, Gottes Gnade und Treue groß zu machen ist seine Absicht.

Wie kann das gelingen? Der unsichtbare Gott ist nicht zu sehen. Von der Gnade des Herrn zu singen ist eine Möglichkeit. Wer das gerne tut, kann durch Musik und Dichtung, große Kraft entfalten, Gott hörbar machen. Töne können das.

Die zweite Möglichkeit ist, davon zu reden, seine Treue zu verkünden. Das versuche ich gerade. Wirksam wird das aber nur, wenn dies ein persönliches Zeugnis ist. Ich muss es erlebt haben, nur dann kann ich das vermitteln.

Vor einigen Jahren gewährte mir der Arbeitgeber ein Sabbatical für drei Monate. Eine solche Chance ist selten, dessen bin ich mir bewusst. Ich will sie nutzen. Zwei Monate sind für das Familienleben reserviert. Für den dritten Monat will ich mir einen alten Traum erfüllen. Ich möchte die deutsche Ostseeküste von Flensburg bis nach Polen paddeln. Mehr als 600 Kilometer stehen auf dem Programm.

Seit Jahren habe ich dafür trainiert, die Ausrüstung steht. Mein seetüchtiges Kajak ist erprobt. Die Nächte möchte ich an ausgewiesenen Biwakplätzen im Zelt verbringen. Auf dem Meer zu paddeln ist gefährlich. Alleine paddeln auf dem Meer geht eigentlich nicht. Für drei Wochen habe ich Paddelpartner gewinnen können. Nur die erste Woche bin ich allein unterwegs. Da hat sich leider niemand gefunden.

Der Start in Flensburg geschieht bei traumhaften Paddelwetter. Die erste Nacht verbringe ich in Dänemark auf einem offiziellen Biwakplatz bei Broager. Am nächsten Tag frischt der Wind auf. Ich möchte weiter und wage es wieder auf das Meer. Ich paddle an der Küste entlang zur Geltinger Bucht. Gerade die Landzungen sind es, die es den Seemännern schwerer machen. Dort türmen sich die Wellen auf. Starke Strömungen sorgen für kabbelige Wellen. Da muss ich vorbei, um in die schützende Bucht zu gelangen.

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