Episode 391
KI am Telefon polarisiert: Die einen denken an blecherne Hotline-Menüs, die anderen an die „Vertriebs-Revolution“. Ich teile unsere echten Learnings aus Tests mit Telefon-KI (u. a. Fonio): wie menschlich das heute klingt, wo sie brutal gut ist (Skripte, Einwände, Terminierung) – und wo sie immer noch peinlich abstürzt (alles Unvorhersehbare). Plus: der wichtigste Use Case für KMU, damit Leads nicht mehr einfach versickern. Wenn du „KI-Telefonie“ hörst, hast du wahrscheinlich sofort diese Hotline im Kopf: Warteschleifenmusik, „drücken Sie die 1“, und du willst einfach nur auflegen. Genau deshalb polarisiert das Thema so – weil viele glauben, das sei nur die nächste Stufe derselben Katastrophe. Aber das ist nicht das, worüber wir hier reden. Moderne Telefon-KI kann inzwischen Gespräche so natürlich führen, dass manche Menschen es gar nicht merken – solange nichts „Menschliches“ dazwischenfunkt. Wir nutzen dafür Fonio und haben in den letzten Wochen und Monaten wirklich viele Testgespräche geführt, reingehört, nachgeschärft, wieder getestet. Und ja: die Stimmen sind erstaunlich gut. Nicht perfekt – eher so „80% eines richtig guten Vertrieblers“. Es gibt noch Ausrutscher, die dich sofort enttarnen können: komische Betonungen, falsche Pausen, Jahreszahlen, die plötzlich wie ein Roboter rausfallen („2014“ wird zu „zwei-null-eins-vier“ oder ähnlich). Das Gute: Du kannst der KI diese Aussprache konkret beibringen. Das Schlechte: Du musst es eben auch wirklich tun – und zwar iterativ. Der eigentliche Gamechanger ist aber nicht „die perfekte Stimme“, sondern das System dahinter: du baust dir eine Verbesserungsschleife, indem du Gespräche transkribierst, Feedback gibst und den Prompt weiterentwickelst (bei euch läuft das über ChatGPT/Gemini/Perplexity; Gemini im Google AI Studio fandet ihr für diese Prompt-Iteration besonders stark). Und dann merkst du: KI hat eine Superkraft, die Menschen selten dauerhaft hinkriegen – sie hält sich an den Leitfaden. Kein links, kein rechts, kein „heute probier ich mal was anderes“. Genau das ist im Presetting Gold wert. Aber jetzt kommt die ehrliche Grenze: Sobald etwas Unvorhergesehenes passiert, wird’s wacklig. Ein „ja“ in den falschen Moment, ein Kind im Hintergrund, ein Zwischenruf – Dinge, die für uns komplett normal sind – können die KI aus dem Konzept werfen. Und dann führt sie Gespräche weiter, die keinen Sinn mehr ergeben. Das ist der Grund, warum KI-Telefonie für euch aktuell nicht der „heilige Gral“ ist und in den nächsten 3–5 Jahren auch nicht den kompletten Vertrieb ersetzt. Deshalb ist euer Setup bewusst schlank: Die KI macht nicht das Closing. Sie füllt die Lücke zwischen Lead-Generierung und dem echten Gespräch. Sie ruft Leads an, prüft Interesse und Bedarf, behandelt Standard-Einwände („keine Zeit“, „schicken Sie Infos“, „rufen Sie später an“) und wenn’s passt, bucht sie direkt einen Termin im Kalender – inklusive Protokollierung im CRM und interner Benachrichtigung. Und ja: Skalierung ist absurd – theoretisch hunderte Anrufe, sogar parallele Gespräche. Nur: nur weil man es kann, heißt nicht, dass man Menschen nerven sollte. Die wichtigste Frage am Ende ist deshalb nicht „ersetzt KI meinen Vertrieb?“, sondern: Versickern bei dir Leads, für die du bereits Geld bezahlst? Wenn du für Google Ads oder Meta Ads Budget ausgibst und dann niemand konsequent nachfasst, ist das nicht ineffizient – das ist ein Loch im Eimer. Genau da kann Telefon-KI heute schon richtig liefern. Und in der nächsten Folge geht’s dann noch tiefer in Vor- und Nachteile und weitere Praxiserfahrungen.
Published on 3 days, 1 hour ago
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