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Gericht mit Hoffnung

Published 7 months, 2 weeks ago
Description
Der Bibeltext Sacharja 14,1-11 – ausgelegt von Eduard Friesen.

1. Luthers Zurückhaltung und der Zugang zum Text

Martin Luther schrieb in seiner Vorrede zum Propheten Sacharja (in der Lutherbibel, erstmals 1528 erschienen) über unseren Text Folgendes: „Dies Kapitel kann ich nicht verstehen und bin ihm nicht gewachsen; und ich bin nicht sicher, was der Prophet meint.“

Wenn der Reformator und Bibelausleger hier so viel Unschlüssigkeit zugibt, ist es auch für mich sinnvoll, bei der Auslegung zurückhaltend zu sein. Gegenteilig habe ich sogar beobachtet, dass viele Auslegungen, die aus solchen Texten Endzeitpläne entwickelt haben, samt und sonders von der Geschichte überholt wurden: Die Dinge haben sich anders oder gar nicht erfüllt, als gedacht. Deshalb ist für mich der sicherste Weg, sich zu fragen, was die Erstempfänger damals unter diesen Aussagen verstanden haben und was Sie und ich heute über Gott und sein Handeln lernen können.


2. Bekannte prophetische Motive

Zunächst fällt auf, dass der Text vollgepackt ist mit Begriffen und Themen, die auch sonst in den Prophetenbüchern des Alten Testaments vorkommen und den Hörern aus den Lesungen in den Synagogen bereits bekannt waren. Der „Tag des Herrn“ ist ein Fachbegriff für Gottes Gericht über die Völker. Die Belagerung und Eroberung Jerusalems durch seine Feinde, Gottes Eingreifen und Kampf für sein Volk, die Erhöhung Jerusalems als heiliger Ort und als Endergebnis Gottes universale Königsherrschaft sind bekannte Motive bei Jesaja, Amos, Hesekiel und anderen Propheten.

Schließlich wird auch das „lebendige Wasser“ in unserem Text erwähnt. Am ausführlichsten begegnet uns diese Beschreibung im Buch Hesekiel. Das lebendige Wasser ist Zeichen für Leben in der Wüste und für ewiges Leben, das sich über die gesamte Schöpfung erstreckt. Hier beginnt etwas wahrhaft Neues.

Dabei erinnert der Autor auch an ein Erdbeben aus den Tagen Usijas, das zwei Jahrhunderte zuvor stattfand. Die Flucht vor dem Erdbeben hat sich tief in das Gedächtnis des Volkes eingegraben. Dies ist für die Zuhörer ein Hinweis auf das endgültige und kraftvolle Handeln Gottes.


3. Gottes Eingreifen und das Gericht

Die Feinde Gottes werden als Instrument für sein Gericht beschrieben. Es scheint fast so, als würde es genügen, gottlosen Menschen zu erlauben, ihren eigenen Willen umzusetzen. Dies ist Strafe genug. Das muss beängstigend gewesen sein für die damaligen Israeliten. Schließlich kommt Gott aber doch als Retter zu Israel. Er rettet das übrige Volk. Der Begriff des „Überrests“ erscheint mehrmals in der prophetischen Literatur und beschreibt den Teil Israels, der nicht fremde Götter angebetet hat, sondern dem Gott Israels die Treue hielt.

Als Teil der Rettung spaltet Gott den Ölberg, um so einen Ausweg und ein Versteck für sein Volk zu schaffen. Jedem Israeliten werden hier die Geschichten des Auszugs aus Ägypten und der Teilung des Roten Meeres als Rettung Gottes einfallen.

Aus heutiger Sicht ist bemerkenswert, dass Gottes Gericht sein Volk Israel nicht ausspart, sondern mit ihm beginnt. Es gibt bei Gott also kein Ansehen der Person.

Das Gericht wird hier nicht als Vergeltungsmaßnahme Gottes beschrieben, sondern als notwendige Vorstufe der

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