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Angeklagt und freigesprochen

Published 6 months, 2 weeks ago
Description
Der Bibeltext Sacharja 3,1-10 – ausgelegt von Ute Cron-Böngeler.

1. Historische Situation und Auftrag der Propheten

Sacharja – ein Prophet des alten Israel im ausgehenden 6. Jh. v. Chr. Es ist die Zeit nach der Rückkehr des jüdischen Volkes aus der Babylonischen Gefangenschaft. Jerusalem und der Tempel müssen wieder aufgebaut werden. Das ist eine Herkulesaufgabe, und so gerät der Wiederaufbau ins Stocken. In dieser Situation kommt es den Propheten Haggai und Sacharja zu, das Volk durch Gottes Zuspruch zum Weiterbau zu ermutigen.

Sacharja ruft das Volk zur Umkehr von den gottlosen Wegen ihrer Väter auf und macht ihnen Hoffnung durch verschiedene Visionen, die ihm Gottes Willen zeigen. Die erste Vision spricht davon, dass Gott sich seinem aus der Verbannung zurückgekehrten Volk wieder zuwendet. In der zweiten Vision werden die Reiche der Fremdherrscher über Israel zerschlagen. Die dritte Vision zeigt die Vermessung Jerusalems zum Wiederaufbau. Die Stadt und der Tempel werden wieder errichtet, und Gott wird wieder bei seinem Volk wohnen. Schritt für Schritt wendet sich das Leben des Volkes zum Guten.
 

2. Die vierte Vision: Gericht und Gnade

Zum Wohlergehen des Volkes gehört aber nicht nur der äußere Wiederaufbau des Lebensraumes, sondern auch die innere Wiederherstellung des Gottesvolkes. Und darum geht es in der vierten Vision, die wir heute betrachten. Sie malt uns eine Gerichtsszene vor Augen. Hauptakteure sind Gott als Richter, Satan als Ankläger und der Hohepriester Jeschua als Angeklagter. Jeschua ist in der ganzen Szene völlig passiv. Zunächst steht Satan rechts neben ihm, um ihn zu verklagen. Gott aber geht nicht auf die Anklagepunkte ein. Sie haben zwar ihre Berechtigung, wie es die Erscheinung Jeschuas in unreinen Kleidern andeutet, doch weist Gott sie zurück und wendet sich streng gegen Satan und seine Anklage.

Gott spricht Jeschua frei, und zwar nicht, weil er unschuldig ist, sondern weil Gott sich Jerusalem und das Volk Israel, für das Jeschua als Priester steht, erwählt hat. Allein aus Gnade werden er und das Volk gerettet. Sie sind wie ein schon angebrannter Holzscheit, der in letzter Minute aus dem Feuer gezogen wird.

Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf Jeschua. Ihm werden die unreinen Kleider abgenommen und reine Kleider angezogen. Es ist eine Zeichenhandlung: Seine Sünden werden von ihm genommen. Er ist gerechtfertigt. Dann bekommt er ein Kopfband aufgesetzt, wie es israelitische Priester tragen. Es trägt die Aufschrift „Heilig dem HERRN“ (2. Mose 28,36). Damit wird Jeschua von Gott als Hoherpriester bestätigt und in Dienst genommen. Er soll im Gehorsam nach Gottes Willen handeln, Recht sprechen und im Tempel für Ordnung sorgen und bekommt direkten Zugang zu Gott, wie ihn die Engel haben, die um ihn stehen und Gottes Willen ausführen.
 

3. Die Ankündigung des Messias

Nachdem Jeschua als Hoherpriester bestätigt ist, gibt Gott ihm eine Botschaft mit für sich, seine Priesterkollegen und letztlich das ganze Volk. Wie wichtig diese Botschaft ist, wird durch ein betontes „Höre!“ und „Siehe!“ markiert. Es geht um nichts Geringeres als die Ankündigung des Messias, der mit drei Bezeichnungen benannt wird: als Knecht, als Spross und als Stein.

Alle diese Bezeichnungen für den Messias sind bekannt. Vom Knecht Gottes spricht vor allem Jesaja (z. B. Jesaja 42,1) und weist auf seinen Gehorsam und seine Erniedrigung hin. Der Spross hat nach Jeremias Verheißung (Jeremia 23,5; Jeremia 33,15) seine Wurzeln in der Dynastie Davids und wird als gerechter König beschrieben, der seinem Volk Wohlergehen bringt. Und der Stein ist schon im Psalm, bei Jesaja und bei Daniel beschrieben als der verworfene Stein, der Stein des Anstoßes, der bewährte Stein, der zermalmende Stein und der Eckstein (Psalm 118,22–23; Jesaja 8,14f; Jesaja 28,16; Daniel 2,35.45). Mit dem Stein, der in Sacharjas Vision sieb

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