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Back to EpisodesDie Aufnahme des Evangeliums in Bedrängnis
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In der Sächsischen Kirchenzeitung „Der Sonntag“ vom 20. April dieses Jahres
las ich einen Beitrag von Reinhard Mawick unter der Überschrift „Bach und die Judenfeindschaft“. Darin weist der Autor auf judenfeindliche Aussagen in Bachs Werken hin, besonders in der Johannespassion, und schlägt vor, dass in den Pausen der Aufführungen auf diese Problematik aufmerksam gemacht werden müsse, um Bachs Passionstheologie zu korrigieren. Dieser Artikel hat mich sehr befremdet.
Der Antisemitismusbeauftragte der niedersächsischen Landesregierung Gerhard Wegner plädiert sogar dafür, man solle vorerst auf die Aufführungen der Bach´schen Passionen ganz verzichten.
Nun, die Wissenschaft liefert keine Hinweise darauf, dass Bach besonders judenfeindliche Ansichten gehabt hätte. Auch hat er nicht die judenfeindlichen Tendenzen seiner Zeit in irgendeiner Weise verstärkt. Bach hat lediglich die überlieferten Texte des Evangeliums nach der Lutherbibel verarbeitet. Dieses Zitieren von Bibeltexten wird heute problematisiert.
Doch wie steht es um die sogenannten „judenfeindlichen Texte“ der Bibel? Unser heutiger Text enthält solche eine Passage. In den Versen 1. Thessalonicher 14-16 schreibt der Apostel Paulus:
„Denn ihr, Brüder, seid Nachahmer geworden der Gemeinden Gottes in Judäa, die in (Gemeinschaft mit) Jesus, dem Christus, ihr Leben führen; denn ihr habt dasselbe erlitten von euren Landsleuten, was jene von den Juden erlitten haben, die Jesus, den Herrn, getötet haben - und die Propheten - und die (auch) uns verfolgt haben und die (deshalb) Gott nicht gefallen und allen Menschen feind sind, indem sie uns hindern, den Heiden zu predigen zu ihrem Heil. So machen sie das Maß ihrer Sünden für alle Zeit voll. Aber das Strafgericht Gottes hat sie schon in vollem Umfang erreicht.“
Auf welches Strafgericht nimmt Paulus hier Bezug, das die Juden getroffen habe? Paulus hatte diesen Brief im Winter des Jahres 50/51 geschrieben. Er nimmt also nicht auf die Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahre 70 Bezug, sondern anscheinend auf einen Vorfall im Jerusalemer Tempel im Jahre 48, wo 20 000 Juden umkamen.[1]
Paulus schildert hier einfach nur die Faktenlage, wie es die Christen in Thessaloniki erlebt haben und wie wir es in Apostelgeschichte Kapitel 17 nachlesen können. Die Juden haben ja tatsächlich den ersten Christen das Leben schwer gemacht, wie wir es überall in der Apostelgeschichte lesen können.
Fakten sind erst einmal kein Antisemitismus. Antisemitismus ist eine Hineininterpretation in die Faktenlage – also eine Ideologisierung. Aber das findet hier nicht statt. Allerdings ist die anstößige Aussage über die Juden in unserem Text - „sie gefallen Gott nicht und sind allen Menschen Feind“ - eine Frage der richtigen Übersetzung.
Man kann diesen Text nämlich auch anders übersetzen:
„Sie haben Jesus und die Propheten getötet und (auch) uns haben sie verfolgt. Deshalb gefallen sie Gott nicht (oder: deshalb hat Gott kein Gefallen an ihnen, weil sie Boten Gottes verfolgen und töten). Sie sind (deshalb) allen Menschen Feind, weil sie uns hindern, den Nationen zu predigen, damit diese gerettet werden (und damit unterbinden sie, dass viele Menschen von ihrer Sündenschuld befreit und erlöst werden).“
So gesehen lese ich nichts Judenfeindliches oder gar Antisemitisches in diesem Text. Ich glaube, man sieht immer das, was man sehen will. Und heutzutage schießt man oft übers Ziel hinaus, wenn man die Geschichte verändern möchte – aber das geht nicht. Wenn wir das tun, ideologisieren wir das ganze Unternehmen.
Heute werden Denkmäler abgerissen von Menschen, die Großes geleistet haben, aber die Kinder ihrer Zeit waren und deshalb Äußerungen machten, die wir mit unserem heutigen Wissen als rassistisch bezeichnen. Wollen wir auch Martin-Luther-Denkmäler zerstören, weil er in