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Back to EpisodesDer Lebensstrom aus dem Tempel
Description
Nach allem, was ich von Hesekiel bereits gehört und gelesen habe, sehe ich am Ende seines Prophetenbuches etwas ganz Besonderes, die sog. „Tempelvision“ – Höhepunkt im Buch Hesekiel. Der Prophet befindet sich immer noch im babylonischen Exil. Sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung hat er gewirkt und seinem Volk, dem Volk Israel, den Willen Gottes kundgetan, seine Forderungen, aber auch seinen Zuspruch und göttlichen Trost in schwerer Zeit. Die ihm von Gott geschenkte Vision hat nicht nur die Rückkehr des Volkes Israel aus der Verbannung im Fokus, sondern zeigt, dass Gott in seiner Herrlichkeit in einen neuen Tempel zurückkehren will, in dem er für immer mitten unter seinem Volk wohnen und es nie mehr verlassen wird.
Prophetische Worte haben meist verschiedene Zeitepochen, für die sie bedeutsam sind. So können die Menschen im babylonischen Exil sie anders verstanden haben, als wir heute, und auch mit unserem Verständnis ist die Prophetie nicht vollends erfüllt. Klar ist nur, dass es bei der Beschreibung des Tempels nicht um einen Bauplan für den Wiederaufbau geht, nach dem Modell des „ersten, des Salomonischen Tempels“, der im Jahr 586 durch die Babylonier zerstört worden war. Die Vision zeigt nicht einen neuen Tempel, sondern – wie es in Hesekiel 40,2 heißt: „ … etwas, das aussieht „wie der Bau einer Stadt“. Zwar wird in der Beschreibung die Vorstellung mit dem Salomonischen Tempel verbunden, aber es wird deutlich, dass es nicht um neue Mauern geht, sondern darum, dass Gott hier wohnen wird. Er ist das Zentrum, er selbst ist der neue „Tempel“, von dem Heil ausgeht. „Lebendiges Wasser“ und eine nie versiegende Quelle – das sind die Bilder für die „Heilsausschüttung“ eines gnädigen und barmherzigen Gottes über eine vergiftete und unheile Welt. Die Verbindung des Tempels mit einer Wasserquelle finden wir auch bei Joel, wenn er sagt: „Und es wird eine Quelle ausgehen vom Hause des HERRN“. (Joel 4,18)
Darüber hinaus wird ganz oft in der Bibel vom Wasser als „Quelle des Lebens“ gesprochen. Jesus, der Sohn Gottes, sagte Jahrhunderte später zu einer Frau in Samarien: „Wer von dem Wasser aus diesem Brunnen trinkt, den wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird ewiglich nicht dürsten.“ Und in der Offenbarung lese ich Worte, die der Vision des Hesekiel ganz ähnlich sind: „Er zeigte mir einen Strom des lebendigen Wassers, klar wie Kristall, der ausgeht, von dem Thron Gottes und des Lammes. Auf beiden Seiten des Stromes mitten auf der Gasse ein Baum des Lebens, der trägt zwölfmal Früchte und bringt seine Früchte alle Monate, und die Blätter des Baumes dienen zur Heilung der Völker.“
Die Tempelvision des Hesekiel ist mehr als ein Traum vom Paradies und weit mehr als die Perspektive für das niedergeschlagene Volk, das gerade keinen Ausweg sah. Sie führt uns vielmehr zum Ausgangspunkt des Lebens. Jeder, der sich nach Leben sehnt, muss hier hingehen, dahin, wo alles Leben entspringt. Hesekiel wird förmlich „mitgerissen“ mit diesem Strom des Lebens, der immer gewaltiger wird, zuerst knöcheltief, dann bis zur Hüfte. Am Ende so tief, dass der Prophet nur noch schwimmen kann. Was für ein wunderbares Bild auch für uns! Da gibt es nicht nur ganz neues Leben. Auch Altes wird wieder neu, Krankes wird heil, Totes lebendig.
Das Tote Meer hat einen Salzgehalt von über 30 %. Die Hebräer nennen es „Salzmeer“. Darin ist kein Leben möglich. Darum bezeichnen wir es meist als Totes Meer. Doch selbst dieses tote Meer soll zum Leben kommen. Von „sehr vielen Fischen“ ist die Rede, und „von aller Art, wie im großen Meer.“ „Alles, was darin lebt und webt, wohin der Strom kommt, das soll leben... Und alles soll gesund werden und leben, wohin dieser Strom kommt.“
Ob wir uns mitnehmen lassen von dieser gewaltigen Tempelvision? Ob wir uns hineinnehmen und einladen lassen in die