Zinsen sind ja der Preis für Geld. Wer Geld verleiht, kann Zinsen verlangen, wer sich selber Geld leiht, muss Zinsen bezahlen. Wie hoch die Zinsen konkret sind, hat damit zu tun, wie viel Geld im Umlauf ist und viel Geld gebraucht wird.
In den 1970ern und 1980ern gab es in Deutschland noch ordentliche Zinsen auf das klassische Sparbuch: 1980 waren es im Durchschnitt 4,6 Prozent.
Finanzmarkt: technische Innovationen und Internationalisierung
Allerdings ging es bald abwärts mit den Zinsen. Das lag unter anderem daran, dass sich die Finanzwelt geändert hat: von abgeschotteten nationalen Kapitalmärkten hin zu einem weltweiten Netz.
Dazu kamen technische Innovationen wie Computer und das Internet, mit deren Hilfe Geld international rund um die Uhr fließen konnte. Haushalte, Unternehmen und Staaten konnten also zusätzlich im Ausland Schulden machen, hatten Zugriff auf mehr Geld.
Außerdem haben viele Privatleute in den letzten Jahrzehnten mehr gespart, um fürs Alter vorzusorgen. Auch da hat sich Geld zum Leihen angehäuft. Aber das wurde in dem Ausmaß gar nicht gebraucht – denn Unternehmen vor allem in den Industrieländern und der Staat haben weniger investiert.
Die Nachfrage nach Geld ist also im Verhältnis zum Geldangebot gesunken – und damit der Preis für das Geld – die Zinsen.
Anfang der 2000er Jahre ging es dann kurz aufwärts mit den Zinsen, es gab nochmal um die 2 Prozent aufs Sparbuch – bis zur
Finanzkrise 2008/2009. Die Zinsen fielen, auch weil die Europäische Zentralbank EZB viel Geld in Umlauf gebracht hat, um die Wirtschaft anzukurbeln.