Münchhausen-Syndrom: Ärztehopping mit erfundenen Leiden
Wer krank ist, tut normalerweise alles dafür, schnell wieder gesund zu werden. Bei Menschen mit dem Münchhausen-Syndrom ist es genau umgekehrt: Sie wollen krank sein und ziehen mit erfundenen Leiden durch die Arztpraxen. Um glaubwürdig zu wirken, verletzen sie sich auch selbst; schlucken giftige Substanzen oder sorgen dafür, dass Wunden sich immer wieder infizieren. Sie haben also echte, teils bedrohliche Symptome – und werden daher oft mit großem medizinischem Aufwand behandelt; bis hin zu komplizierten Operationen.
Für Ärztinnen und Ärzte ist es kaum möglich, diese Krankheits-Hochstapler zu erkennen. Denn körperlich geht es ihnen ja tatsächlich schlecht. Und wenn doch mal jemand Verdacht schöpft, verschwinden Patienten mit Münchhausen-Syndrom und bitten einfach anderswo um Behandlung. Ständiges Ärztehopping gehört zum Krankheitsbild.
Unterschied zu Simulanten: Finanzielle Vorteile sind nicht das Ziel
Es gibt einen wichtigen Unterschied zu Simulanten: Die täuschen auch Krankheiten vor. Aber Simulanten tun es nur, weil sie sich davon zum Beispiel finanzielle Vorteile versprechen. Psychisch sind sie gesund.
Schwere psychische Störung mit zwanghaftem Lügen
Das Münchhausen-Syndrom ist dagegen eine schwere psychische Störung. Betroffen sind überwiegend Männer. Sie leiden oft auch unter Narzissmus oder Borderline-Störungen und sind unfähig zu engen Bindungen. Zwanghaftes Lügen gehört für sie in allen Bereichen zum Alltag.
Psychotherapie könnte helfen, aber dazu sind Betroffene fast nie bereit.
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