"Rassen" gibt es nur bei gezüchteten Haustieren
Auf die Frage nach den Rassen gibt es mehrere Antworten. Die erste ist: Auch Tierrassen gibt es in dem Sinn nur bei Haustieren – also etwa bei Hunden, Rindern oder Pferden. Das hat nichts mit natürlicher Evolution zu tun, sondern diese Tiere wurden vom Menschen gezielt auf bestimmte Eigenschaften hin gezüchtet. Bei Wildtieren gibt es das praktisch nicht. Es gibt keine Rassen bei Bären, Wölfen, Thunfischen oder Rotkehlchen.
Arten sind keine Rassen
Was es gibt, sind Arten: Beispielsweise gibt es den Indischen und den Afrikanischen Elefanten. Und für die Abgrenzung von Arten gibt es klare Kriterien: Tiere zweier Arten können keine zeugungsfähigen Kinder bekommen. Es gibt aber nur eine Menschenart: Homo sapiens. Und es gibt kein sinnvolles Kriterium, um zwischen Unterarten oder eben Rassen zu unterscheiden. Der Vergleich mit der Tierwelt geht also schon mal ins Leere.
An der Stelle kommt gelegentlich der Einwand: Und was ist mit Homo sapiens und Neandertalern? Oder mit Braunbären und Eisbären? Das sind tatsächlich Sonderfälle. Eis- und Braunbären werden aufgrund ihrer starken genetischen Unterschiede als
verschiedene Arten betrachtet, obwohl sie gemeinsam fruchtbare Nachkommen zeugen können. Und auch die Erkenntnis, dass sich Vorfahren des heutigen Menschen mit dem Neandertaler gepaart haben, wirft die Frage auf, ob es sich bei ihnen wirklich um zwei verschiedene Arten handelt - und wenn nicht, worum dann?
Es gibt begrifflich derzeit zwei Wege, mit solchen Fällen umzugehen. Die eine ist zu sagen: In diesen Fällen ist die Artbildung "nicht abgeschlossen". Es sind zwar Arten, weil sie sich in räumlicher Isolation auseinander entwickelt haben, aber noch nicht weit genug, als dass es nicht einen "Genfluss" oder eine "Hybridisierung" geben kann. Folgt man dieser Lesart, muss die strenge Art-Definition also etwas aufgeweicht werden. Die Alternative ist, in solchen Fällen von "Unterarten" zu sprechen - oder schlicht von unterschiedlichen "Populationen" innerhalb einer Art.
Entscheidend ist aber: Das hat nichts zu tun mit dem Konzept der "Rasse", das auf gezielten Züchtungen beruht, die sich an einigen wenigen Merkmalen orientieren. In den genannten Fällen dagegen lebten Neandertaler und Homo sapiens jahrhunderttausende, im Fall der Bären mehr als eine Million Jahre, isoliert voneinander. Das war bei Homo sapiens nie der Fall. Dass Vorfahren des Homo sapiens aus Afrika ausgewandert sind, ist keine 100.000 Jahre her - und es gab danach keine klar abgrenzbaren "Populationen", die sich über einen längeren Zeitraum auseinander entwickelt hätten.
Unterschiede? Ja! – Rassen? Nein!
Das zweite Gegenargument zu angeblichen Menschenrassen liefert die Genetik. Die alte Rassenlehre vor 100 Jahren konzentrierte sich auf willkürlich herausgegriffene, ins Auge stechende Merkmale wie Hautfarbe, Haarstruktur oder Schädelform. Und sie bildete daraus, ebenso willkürlich, verschiedene Gruppen.
Nun weiß aber jeder, der mal ein bisschen durch die Welt gereist ist, dass die Hautfarben der Bevölkerung nicht an irgendeiner Grenze plötzlich umschlagen. Sondern zwischen hellhäutig und dunkelhäutig gibt es unendlich viele Schattierungen, zwischen glatten und lockigen Haaren ebenfalls. Das ist bei vielen anderen Merkmalen ebenso. Es ergibt keinen Sinn, bei einem bestimmten Dunkelwert der Haut eine Linie zu ziehen und zu sagen: Alle Menschen, die dunkler sind, bilden eine eigene Rasse.
Genetik widerlegt Rassenlehre
Die Genetik bestätigt genau das: Natürlich gibt es genetische Unterschiede zwischen den Durchschnitts-Europäern und Durchschnitts-Afrikanern. Aber wir haben ja nicht nur Gene für Haut und Haare, sondern auch Gene, die beeinflussen, wie groß wir werden, o