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Prof. Dr. Jutta Allmendinger: Wir brauchen einen neuen Arbeitsbegriff. (268)

Prof. Dr. Jutta Allmendinger: Wir brauchen einen neuen Arbeitsbegriff. (268)

Episode 268 Published 1 year, 1 month ago
Description
Jutta Allmendinger im Gespräch über Re-Traditionalisierung, Care- und Erwerbsarbeit und anstehenden Strukturwandel

"Struktureller Wandel ist möglich, aber Kultur ist klebrig."

Prof. Dr. Jutta Allmendinger ist eine der profiliertesten und prominentesten Wissenschaftsstimmen für soziale Gerechtigkeit und Bildungssoziologie, insbesondere mit Blick auf die Arbeitssoziologie. Sie hat im Laufe ihres beruflichen Wirkens als Soziologin tausende von Lebensläufen erforscht und ergründet und trägt mit ihren Erkenntnissen ganz wesentlich zum nationalen Diskurs rund um die Zukunft einer guten Arbeitsgesellschaft bei.

Als langjährige Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin waren die strukturellen und kulturellen Hürden für echte Vereinbarkeit von Erwerbs- und Carearbeit der Fokus ihrer Arbeit. Mit klarer Haltung und fundierter Analyse seziert sie die Retraditionalisierungseffekte der letzten Jahre, beleuchtet Mental Load und den oft unausgesprochenen Druck auf Frauen in Führungsrollen.

Sie erzählt von ihren eigenen Erfahrungen als erste Frau mit Kind in einer deutschen Professur, von Missverständnissen im öffentlichen Diskurs und vom strukturellen Mangel an Betreuungseinrichtungen in den 90ern. Allmendinger plädiert leidenschaftlich für ein neues Verständnis von Arbeit, das auch Care, gesellschaftliches Engagement und Persönlichkeitsentwicklung integriert, jenseits klassischer Erwerbslogiken. Besonders eindrücklich: ihre Forderung nach einem präventiven Berufscoaching entlang der Lebensverläufe, ähnlich wie es die Medizin mit Vorsorgeprogrammen praktiziert.

Das Gespräch greift bildhaften Metapher auf, vom Baumkuchen bis zur Zeit-Torte und macht somit komplexe soziale Zusammenhänge greifbar. Jutta Allmendinger warnt zudem davor, Arbeit allein in Stunden zu messen. Sie fordert eine radikale Neubewertung von Zeit, Verantwortung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Kurz: einen neuen Arbeitsbegriff. Auch die Rolle von Männern kommt nicht zu kurz: Jutta Allmendinger ruft dazu auf, neue Lebensmodelle aktiv zu gestalten und nicht erst im Alter ihre Kinder "richtig" kennenzulernen.

Darüber sprechen wir in der aktuellen Folge von GOOD WORK

  • Kultur ist klebrig: Warum es nicht reicht, Gesetze zu ändern, wenn alte Rollenbilder in den Köpfen weiterleben.
  • Care ist kein Privatproblem: Wie Vereinbarkeit wirklich funktioniert – und warum sie nicht allein den Eltern überlassen werden darf.
  • Mental Load messbar machen: Was uns Studien über unsichtbare Verantwortung verraten und warum es Zeit für neue Fragen ist.
  • Baumkuchen statt Balance: Ein überraschendes Bild für moderne Lebensverläufe und warum symmetrische Zeitmodelle nicht funktionieren.
  • Arbeit neu gedacht: Was passiert, wenn wir Bildung, Engagement und Sorgearbeit endlich als Teil von Arbeit begreifen.
  • Weiterbildung ist Vorsorge: Wie Berufsleben smarter werden könnten, inspiriert von Mammografie-Briefen und Präventionslogik.

Jutta Allmendinger gilt im besten Sinne als provokante Wissenschaftlerin, weil sie provoziert: zum Nachdenken, zum Weiterdenken und vor allem zum Handeln inspiriert. „Man muss Vorstellungen entwickeln, die über das Jetzt hinausgehen, sonst bleibt man in kleinen Schritten stecken.“

Dieses Zitat bringt auf den Punkt, wofür Prof. Dr. Jutta Allmendinger steht: Eine mutige und kluge Gestaltung der Zukunft unserer Gesellschaft.

Viel Spass bei dieser Folge.

Interview: Jule Jankowski

Weiterführende Links und Infos:
WZB Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung : WZB


Werbehinweis
Die akutelle Folge wird freundlicherweise unterstützt von:

  1. Personio, der ganzheitlichen, digitalen HR Plattform. Link zur Studie zum Download:

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