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Anja Koschemann | Dildo-Designerin - Machst du eigentlich auch Prototyp-Tests im Freundeskreis?
Description
Eine Banane liegt in der Küche. Daneben ein Maiskolben. Vielleicht noch eine Aprikose.
Bei Anja Koschemann sollte man allerdings besser zweimal hinschauen, bevor man zugreift.
Die Dresdnerin ist Dildo-Designerin und Gründerin der Silikonmanufaktur SelfDelve. Seit 2006 entwirft und produziert sie Sextoys in Handarbeit – darunter eine Kollektion, die Obst und Gemüse erstaunlich originalgetreu nachempfunden ist. Was heute nach einer ziemlich konsequenten Geschäftsidee klingt, begann allerdings mit einem ganz persönlichen Problem.
Anja Koschemann war mit dem Angebot an Sexspielzeug unzufrieden.
Nach rund zehn Jahren als Chemielaborantin kannte sie sich mit Materialien aus und wollte nicht einfach irgendein Produkt verwenden, dessen Zusammensetzung sie nicht überzeugte. Also begann sie selbst zu experimentieren.
Mit Silikon.
Mit Formen.
Mit Farben.
Und irgendwann mit einer gebogenen Banane.
Aus dem privaten Experiment wurde eine Idee. Freundinnen wurden neugierig, wollten ebenfalls ein Exemplar – und ausgerechnet eine Sex-Flaute legte damit den Grundstein für ein Unternehmen, das inzwischen seit zwei Jahrzehnten existiert.
Im Gespräch mit André Puchta geht es deshalb um eine Frage, die wahrscheinlich ziemlich weit oben auf der Liste dessen steht, was man eine Dildo-Designerin schon immer einmal fragen wollte:
Machst du eigentlich auch Prototyp-Tests im Freundeskreis?
Denn wie entwickelt man ein Produkt, dessen Funktion sich nun einmal nicht ausschließlich am Schreibtisch beurteilen lässt?
Wie entsteht überhaupt ein neuer Dildo?
Beginnt alles mit einer Zeichnung? Mit einer bestimmten Oberfläche? Mit anatomischen Überlegungen? Oder läuft Anja Koschemann manchmal durch die Gemüseabteilung und betrachtet einen Maiskolben plötzlich mit völlig anderen Augen?
Gerade ihre Kollektion „Garten Eden“ zeigt, wie spielerisch sie mit dem Thema umgeht.
Banane, Gurke, Aubergine oder Maiskolben werden zu Vorbildern für Produkte, die auf den ersten Blick beinahe als ungewöhnliche Dekoration durchgehen könnten. Der Maiskolben entwickelte sich dabei zu einem ihrer bekanntesten Modelle.
Hinter dem Humor steckt allerdings ziemlich viel Handwerk.
Anja Koschemann arbeitet nicht mit fertig gelieferten Produkten, auf die anschließend nur noch ein Markenname gedruckt wird. In Dresden entstehen die Toys in kleinen Serien. Formen werden entwickelt, Silikon wird verarbeitet, Farben werden gemischt und Oberflächen teilweise mit Pinsel oder Airbrush gestaltet.
Jedes Stück entsteht in Handarbeit.
Gerade das Material spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Koschemanns Ausbildung als Chemielaborantin prägt ihren Blick auf die Produkte bis heute. Sie beschäftigt sich mit Silikonen, Pigmenten, Mischungsverhältnissen und den Eigenschaften des Materials. Bei manchen Kreationen verändern sich sogar die Farben durch Wärme.
Aus einem vermeintlich frivolen Produkt wird damit plötzlich eine erstaunlich technische Angelegenheit.
Wie weich muss ein Material sein?
Wie stabil?
Wie verändert sich eine Form beim Gebrauch?
Und wie schafft man es, dass ein Maiskolben zwar möglichst authentisch aussieht, seine ursprüngliche landwirtschaftliche Funktion aber endgültig hinter sich lässt?
Natürlich darf es in dieser Folge auch um die Dinge gehen, die sonst eher hinter verschlossenen Türen stattfinden.
Welche Kundinnen und Kunden kaufen bei SelfDelve?
Sind Frauen experimentierfreudiger als Männer?
Welche Formen werden besonders häufig bestellt?
Gibt es Sonderwünsche, bei denen selbst Anja Koschemann kurz überlegen muss?
Und wie reagiert eigentlich jemand bei einer Behörde oder einer Bank, wenn als Beruf „Dildo-Designerin“ angegeben