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[Martin] Prof. Dr. Silja Graupe: Wirtschaft neu imaginieren

[Martin] Prof. Dr. Silja Graupe: Wirtschaft neu imaginieren

Episode 103 Published 4 years, 6 months ago
Description
90 Minuten Inspiration 💡😃

Silja Graupe absolvierte zunĂ€chst einen Diplomstudiengang in Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen UniversitĂ€t Berlin, um sich dann der ost-asiatischen Philosophie zuzuwenden, ohne jedoch einen Wirtschaftsschwerpunkt aufzugeben. So promovierte sie 2005 zum Thema „Der Ort ökonomischen Denkens. Die Methodologie der Wirtschaftswissenschaften im Licht japanischer Philosophie“.

Von 2009 bis 2014 lehrte sie, zunĂ€chst als Juniorprofessorin im Fachbereich Bildungswissenschaften, spĂ€ter als Professorin im Fachbereich Wirtschaft, an der Alanus Hochschule fĂŒr Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Seit Februar 2014 ist sie Mitglied des PrĂ€sidiums der Cusanus Hochschule, die sie mit gegrĂŒndet hat. Seitdem hat sie auch die Professur fĂŒr Ökonomie und Philosophie am Institut fĂŒr Ökonomie der Hochschule inne.

Silja Graupe gilt als Vorreiterin im Bereich der Imaginations- und Zukunftsforschung der Ökonomie. In ihren Forschungen zeigt sie, dass Wirtschaftsakteure imaginative und kreative FĂ€higkeiten besitzen, die sie dazu nutzen, um ökonomische und gesellschaftliche RealitĂ€ten zu imaginieren und zu realisieren. Dabei entwickelt sie ein neues Erkenntnisparadigma fĂŒr die Ökonomie, dass die hochgradig abstrakten und rationalen Wissensformen, wie sie der ökonomische Mainstream seinen Modellen zugrundelegt, um zahlreiche weitere Schichten und Wissensformen erweitert. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Gemeinsinn zu, der verschiedene Wissensformen vermittelt und integriert. Gemeinsam mit Walter O. Ötsch hat sie das entsprechende Forschungsfeld innerhalb der deutschsprachigen Ökonomik angestoßen.

Silja‘s Grundlagenforschung ging u. a. in die Konzeption des Master-Studiengangs „Ökonomie – Imagination – Zukunftsgestaltung“ ein. In seinem Rahmen sollen Studierende imaginative und narrative FĂ€higkeiten ausbilden und fĂŒr eigene, zukunftsfĂ€hige Wirtschaftspraktiken nutzbar machen.

Silja vertritt in Forschung und Lehre den Standpunkt, dass gegenwĂ€rtig die Ökonomie von einer geistigen Monokultur, d. h. einem dogmatischen Mainstreamdenken (insbesondere der Neoklassik) durchsetzt ist und dabei bewusst oder unbewusst unsere Lebenswelt gestaltet. Diese geistige Monokultur fuße dabei auf Annahmen, die allerdings in hohem Maße aus wissenschaftstheoretischer, empirischer oder normativer Perspektive infrage zu stellen seien. Dies sei insbesondere aufgrund ihrer ökonomisierenden Auswirkungen auf soziale und wirtschaftliche RealitĂ€ten erforderlich. Ihre Kritik richtet sich dabei vor allem auf die ökonomische Lehre und dort verwendete Lehrmittel. Im Rahmen mehrerer Forschungsprojekten hat sie den einschlĂ€gigen LehrbĂŒchern neben oben genannten Aspekten auch indoktrinierende Tendenzen nachgewiesen.

GesprÀchspartnerin dieser Folge:

Prof. Dr. Silja Graupe ist Professorin fĂŒr Ökonomie und Philosophie, Leiterin des Instituts fĂŒr Ökonomie und VizeprĂ€sidentin der Cusanus Hochschule fĂŒr Gesellschaftsgestaltung in Bernkastel-Kues, zu deren GrĂŒnder:innen sie gehört.

In ihrer Forschung und Lehre fördert sie den Mut von Menschen, den ureigenen Voraussetzungsboden wirtschaftlicher Gewohnheiten verstehen zu lernen, um in dieser Tiefe Formen und Möglichkeiten der Neugestaltung und VerÀnderung zu entwickeln.

In öffentlichen Interventionen, VortrĂ€gen und Stellungnahmen schlĂ€gt sie BrĂŒcken zwischen Academia und Öffentlichkeit, um auch und gerade hier neue MöglichkeitsrĂ€ume des Ökonomischen zu eröffnen. Die von ihre geleitete Initiative DIE WIRTSCHAFT VON MORGEN steht beispielhaft dafĂŒr. Das inspiriert Silja Graupe:

✹ „Geschichten des Gelingens“, von unseren Studierenden >>

✹ Buch „Economist4Future“ (hrsg. von Lars Hochmann) >>

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