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Der Spiegel - Reflektor unserer Sehnsüchte und Irrtümer

Der Spiegel - Reflektor unserer Sehnsüchte und Irrtümer

Published 7 months, 4 weeks ago
Description

Ein Blick in den Spiegel macht sichtbar, was sonst unsichtbar bliebe. Schon immer sahen die Menschen mehr in ihm als einen einfachen Alltagsgegenstand. Sagt er uns die Wahrheit oder täuscht er uns? Ein Alltagsgegenstand voller Facetten. Von Silke Wolfrum (BR 2024)

Credits
Autorin dieser Folge: Silke Wolfrum
Regie: Kirsten Böttcher
Es sprachen: Burchard Dabinnus, Susanne Schroeder, Andreas Dirscherl
Technik: Matthieu Bar
Redaktion: Bernhard Kastner

Im Interview:
Dr. Fabian Estermann, Autor des Buches „Der Spiegel als Instrument zum Nachweis von Selbstbewusstsein bei Tieren. Eine Kulturgeschichte der Spiegelherstellung und des Spiegelexperiments.
Prof. Dr. Heidrun Alzheimer, Lehrstuhl für Europäische Ethnologie, Bamberg; Nina-Alisa Kollakowski, promoviert zur Selbstentwicklung im Kleinkindalter an der LMU München.

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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

SPRECHER:

Vor rund 9.000 Jahren verlassen Männer die Großsiedlung Catalhöyük im heutigen Zentralanatolien und machen sich auf den beschwerlichen Weg zu zwei Vulkanen, rund 190 Kilometer entfernt. Dort finden sie Obsidian, schwarzes vulkanisches Gesteinsglas, laden es auf und schaffen es den langen Weg zurück in ihre Siedlung. Aus dem kostbaren Gestein stellen sie Werkzeuge und Pfeilspitzen her, lebenswichtig für die Gemeinschaft. Doch auch für etwas anderes lohnt sich der große Aufwand: Spiegel.

O-TON 01 Fabian Estermann

Also bis heute ist die genaue Bedeutung und Funktion der Spiegel nicht ganz klar. Die Spiegel selbst wurden lediglich in Gräbern bei Ausgrabungen entdeckt, also das heißt nicht in den Überresten der Siedlungen selbst, im Haushalt, sondern wirklich nur als Grabbeilage. Und doch geht man davon aus, dass sie nicht nur für das Grab erschaffen worden sind, sondern tatsächlich auch schon eine Funktion zu Lebzeiten erfüllten. Durch Experimente konnte man immerhin ausschließen, dass sie sich nicht zu Lichtsignalgeber oder zum Feuermachen eigneten. Und da aber die damaligen Siedler und Siedlerinnen dort bereits über eine ausgeprägte Körperkultur verfügten, geht man davon aus, dass dann auch die Spiegel dazu dienten, dass sich die Leute selber betrachten konnten, beispielsweise beim Auftragen von Rouge, um sich so wahrzunehmen, wie es dann eben doch eine dritte Person tut.

MUSIK 3: Crystal Memories - 52 Sek

SPRECHERIN:

Uralt scheint das Bedürfnis des Menschen, sich im Spiegel zu sehen und uralt scheint auch der Respekt vor diesem facettenreichen Gegenstand. Spiegel als Grabbeigabe sind keine Seltenheit, auch in etruskischen Gräbern aus dem vorchristlichen Jahrtausend fand man welche. Zeugen sie vom Glauben an

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