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Harze - Das Blut der Bäume
Description
Harze sind die Wundsekrete von Pflanzen. Menschen nutzen sie auf vielfältige Weise -zum Beispiel in der Medizin, der Technik und der Malerei. Und sie stellen künstliche Harze her, etwa Klebstoffe und Lacke. (BR 2019) Autor: Hellmuth Nordwig
Credits
Autor/in dieser Folge: Hellmuth Nordwig
Regie: Axel Wostry
Es sprachen: Susanne Schroeder, Andreas Neumann
Technik: Andreas Lucke
Redaktion: Bernhard Kastner
Im Interview:
Dr. Ehrentraud Bayer, Botanischer Garten, München;
Prof. Rolf Mülhaupt, Makromolekulare Chemie, Universität Freiburg;
Dr. Patrick Dietemann, Doerner-Institut München;
Dr. Johann Seibert, Apotheker, Teisendorf
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
MUSIK
ATMO 1 Schritte Botanischer Garten
SPRECHER:
Der Botanische Garten in München-Nymphenburg ist schon mehr als hundert Jahre alt. Und der nordamerikanische Baum, auf den Ehrentraud Bayer zielstrebig zusteuert, hat auch schon Jahrzehnte auf dem Buckel. Die wissenschaftliche Leiterin des Gartens darf ausnahmsweise, was für Besucher streng verboten ist - sie zückt ein kleines Taschenmesser …:
O-Ton 1: Bayer
Wir stehen jetzt hier an der Balsamtanne. Die bildet das Harz direkt unter der Rinde, und dann gibt es hier zum Beispiel solche Blasen. Und wenn ich so eine Blase aufschneide ... Sehen Sie? Man sticht da rein, und dann tritt das Harz hervor. Es ist etwas mühsam, das einzusammeln. Aber es lohnt sich, Sie können mal daran riechen. Es ist absolut aromatisch, wirklich ganz toll.
SPRECHER:
Eine Träne Harz läuft die glatte Rinde hinunter. Ausgesprochen wohlriechend. Wer jetzt aber den Fehler macht, hineinzufassen, hat für lange Zeit klebrige Finger. Denn sie klebt, diese Flüssigkeit, die mal Harz, mal Terpentin genannt wird - und die mitunter auch Balsam oder Pech heißt.
Sie besteht aus einer Mischung ganz verschiedener Stoffe, die je nach Pflanzenart wiederum sehr unterschiedlich ist. Eine Gemeinsamkeit aber gibt es: In Wasser lösen sich die Harze nicht. Man kann also auch nicht einfach abwaschen, was der Baum von sich gibt, wenn er verletzt wird. Etwa, wenn wir einen Ast absägen, wenn Vögel den Stamm anbohren oder wenn Insektenlarven versuchen, im Holz Gänge zu graben. Für den Baum ist das wichtig. Ihm dient das Harz nämlich dazu …:
O-Ton 2: Bayer
… Fraßfeinde abzuwehren. Das funktioniert bei den einen besser, bei den anderen schlechter. Aber es sind Fraßfeinde. Es sind auch Pilze, die abgewehrt werden, oder Bakterien. Also dazu dient es.
SPRECHER:
Wer sich an der Rinde oder dem Holz gütlich tun will, den verklebt der Baum also kurzerhand. Mit der Zeit wird das Harz immer fester - Insekten und ihre Larven haben dann immer schlechtere Chancen, lebend wieder herauszukommen. Oft sieht man sie in Harztränen eingeschlossen. Dann hat die Pflanze den Zweikampf mit dem "Fraßfeind" gewonnen. Manchmal verliert sie ihn aber auch. Zum Beispiel ein tropischer Baum, der mit dem Weihrauchbaum verwandt ist: Bei dieser Pflanze ist das Harz auch in den Blättern - und auf diese Blätter haben es bestimmte Käferlarven abgesehen:
O-Ton 3: Bayer
Und wenn die Käferlarven unvorsichtig sind und an einer falschen Stelle das Blatt anfressen, dann schießt momentan aus dem Harzkanal, der in dem Blatt ist, offensichtl