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Abaelard und Heloise - Weisheit, Liebe, Absturz
Description
Die schönste und traurigste Liebesgeschichte der Welt - zwischen einem charismatischen Gelehrten und einer klugen, hübschen jungen Frau. Ihre Briefe sind Weltliteratur, ihre tragische Liebe rührt bis heute. Autorin: Katalin Fischer (BR 2018)
Credits
Autorin dieser Folge: Katalin Fischer
Regie: Petra Hermann-Boeck
Es sprachen: Katja Amberger, Martin Umbach, Hemma Michel, Christoph Jablonka
Technik: Birgit Vetter
Redaktion: Petra Hermann-Boeck, Andrea Bräu
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
SPRECHERIN:
Am Anfang war der Kuss. Aber was für einer! Er gab den Auftakt zu einer legendären großen Liebe. Nun ist es leider die Art von großen Lieben, dass sie unglücklich enden. Zumindest werden sie nur dann berühmt - Unglück ist nun mal poetischer als Glück.
SPRECHER:
Die Protagonisten: außergewöhnlicher, kluger, schöner Mann, außergewöhnliche, kluge, schöne Frau, ein böser Onkel, drei grausame Mordgesellen. Und obwohl sie fast tausend Jahre alt ist, ist diese Geschichte heute noch so lebendig und anrührend, wie nur die Wahrheit sein kann.
SPRECHERIN:
Pierre Abaelard ist 38, der schönste Mann von Paris, charismatisch, erfolgreich, berühmt. Er ist Philosoph und Theologe, doch seine Haltung zu Ethik und Religion ist ganz anders, als vorgeschrieben - denn er appelliert an die Vernunft
SPRECHER
Der Glaubenssatz des Hl. Augustinus schrieb vor: „Credo ut intelligam“, „Ich glaube, um zu verstehen“. Abaelard kehrt den Spruch um: „Nihil credendum, nisi prius intellectum“, nichts sei zu glauben, was man nicht zuvor verstanden habe. Eine ungeheuerliche, eine ketzerische Anmaßung! Anstatt bedingungslosen Gehorsams fordert Abaelard zu eigenständigem Denken auf.
SPRECHER:
Abaelard wird zum Anführer der jungen Rebellen des Denkens – und zum Staatsfeind Nummer eins der Konservativen. Bereits nach kurzer Lehrzeit unterrichtet er selbst und hat an der Domschule von Paris bald den größten Zustrom an Studenten.
SPRECHERIN:
Was zur Folge hat, dass auch das Maß des Hasses gegen ihn wächst. Immer wieder kehrt im Leben des Pierre Abaelard dasselbe Muster wieder: er besiegt seine Lehrer und Widersacher durch Scharfsinn, wird dafür verteufelt, angeklagt, verurteilt. Und zieht die Studenten magisch an, begeistert sie - und das Spiel beginnt von neuem.
1. O-Ton: Peter Adamson
„Was man mindestens über Abaelard wissen muss, ist, dass er wirklich einen Höhepunkt in der mittelalterlichen Philosophie repräsentiert. Er übernimmt Ideen aus der Antike, zum Beispiel von Aristoteles, aus der aristotelischen Logik, und setzt sie ein, damit er den christlichen Glauben dann verteidigen kann und erklären kann.“
SPRECHER:
sagt Peter Adamson, Professor für spätantike Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
SPRECHERIN:
Großer Wirbel um Abaelard. Ganz Paris ist entzückt. Bald ist er der berühmteste Magister des Abendlandes. Doch das allein hätte ihn vielleicht noch nicht für alle Zeiten ins kollektive Weltbewußtsein eingeschrieben, wäre da nicht die Geschichte mit Heloise gewesen.
SPRECHER:
Trotz seiner 38 Jahre ist der smarte Gelehrte noch jungfräulich. Prostituierte mag er nicht, für Damen der Gesellschaft hat er keine Zeit und mit bürgerlichen Frauen keine gemeinsame Sprache. Begierde, Leidens