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Vordenkerin eines entfesselten Kapitalismus - Ayn Rand
Description
Ayn Rand war eine Schriftstellerin und Philosophin, die von Russland in die USA floh. Dort entwickelte sie ihre Thesen eines radikalen, entfesselten Kapitalismus: Ein Staat müsse sich auf eine Minimalversion reduzieren lassen. Von Daniela Remus (BR 2019)
Credits
Autorin dieser Folge: Daniela Remus
Regie: Axel Wostry
Es sprachen: Thomas Albus, Diana Gaul, Johannes Hitzelberger
Technik: Regina Staerke
Redaktion: Bernhard Kastner
Im Interview:
Prof. Alexander Dietz, Wirtschaftsethiker, Hochschule Hannover;
Dr. Christian Wildhagen, Politikwissenschaftler, Hamburg
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
Sprecherin:
2007 stürzt die Welt in eine globale Finanzkrise. 2008 folgt der Zusammenbruch wichtiger US-Großbanken, mit Folgen weltweit. In Deutschland wünschen sich die Menschen, dass der Staat den Finanzsektor dauerhaft stärker kontrolliert. Auch in den USA interveniert die Regierung, aber viele US-Bürger halten diese Einmischung für grund¬verkehrt. Und davon profitieren auch die Erben der russisch-amerikanischen Schriftstellerin Ayn Rand.
Atmo 1 (Geldgeklingel in Kasse)
Sprecher:
Denn die Verkäufe ihres Hauptwerks mit dem Titel Atlas Shrugged, auf Deutsch Der Streik schnellen in diesen Jahren der Finanzkrise deutlich nach oben. Obwohl das Buch ohnehin schon zu den US-amerikanischen Bestsellern gehört. Darin beschreibt Ayn Rand den Zusammenbruch eines Staates, weil die kapitalistischen Unternehmer nicht länger bereit sind, die Früchte ihres Denkens und ihrer Arbeit mit dem trägen Teil der Gesellschaft zu teilen.
Zitatorin:
„Wir sind im Streik, wir, die Verstandesmenschen. Wir streiken gegen Selbstaufopferung. Wir streiken gegen den Glauben an unverdiente Belohnungen und unbelohnte Pflichten. Wir streiken gegen das Dogma, das Streben nach eigenem Glück sei böse.” (S. 1090)
Musik (Tusch oder ähnlich als Trenner)
Take 2 (O-Ton Dietz) L: 0, 13
Sie ist eine der wichtigsten Stichwortgeberinnen im 20. Jahrhundert für die Politik der USA, sie hat sich klar für einen Minimalstaat ausgesprochen, für ein marktwirtschaftliches System in einem radikalliberalen Sinne.
Sprecherin:
Alexander Dietz, Wirtschaftsethiker an der Hochschule Hannover.
Take 3 (O-Ton Wildhagen) L: 0, 10
Rationalität ist ein Ausgangspunkt, dann das Eigennutzstreben, auch die menschliche Selbstliebe, der Mensch handelt ausschließlich zu seinem eigenen Nutzen, es gibt keine altruistischen Motive.
Sprecherin:
Christian Wildhagen, Politikwissenschaftler, Hamburg.
Musik (Tusch oder ähnlich als Trenner)
Sprecherin:
In den USA sind die Schriften von Ayn Rand Schullektüre und fester Bestandteil der Kultur. So gaben die Teilnehmer einer repräsentativen Studie auf die Frage, welches Buch sie am stärksten beeinflusst habe, an, neben der Bibel sei das Atlas Shrugged von Ayn Rand gewesen. Der Ökonom Alan Greenspan, fast zwei Jahrzehnte lang Vorsitzender der US-Notenbank, huldigt den libertären Ideen Rands bis heute genauso wie die Schauspielerin Angelina Jolie oder die Tea Party Bewegung. Ayn Rand und ihr Einfluss auf die amerikanische Kultur ist in Europa wenig bekannt. In den USA aber ist sie die Ikone des freien Marktes, die begeisternde Vordenkerin