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Wenn das blaue Band flattert - Frühling in der Literatur
Description
?Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte?? , schreibt Eduard Mörike im frühen 19. Jahrhundert. Hier umwirbt der Frühling alle Sinne des lyrischen Ich ? sehen, riechen hören - und versetzt es in ekstatische Vorfreude. Und auch Johann Wolfgang von Goethe schickt in seinem ?Osterspaziergang? den erschöpften Wissenschaftler Faust in die freie Natur. Von Astrid Mayerle
Credits
Autorin dieser Folge: Astrid Mayerle
Regie: Christiane Klenz
Es sprachen: Annette Wunsch, Hemma Michel, Friedrich Schloffer
Technik: Wolfgang Lösch
Redaktion: Andrea Bräu
Im Interview:
Kerstin Preiwuß, Lyrikerin
Prof. Dr Ulrich Kittstein, Literaturwissenschaftler
Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
Linktipps:
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
Zitatorin
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
1 Oton Kittstein
Aus dem blauen Himmel wird eben etwas Bewegtes, etwas Dynamisches. Der Frühling lässt sein „Blaues Band wieder flattern durch die Lüfte“ und auch die Düfte: es riechen nicht einfach irgendwelche frühen Blumen, sondern Düfte streifen das Land. Sie bewegen sich gewissermaßen durch die Landschaft.
Sprecherin
Der Literaturwissenschaftler Ulrich Kittstein spürt der Dynamik und der Atmosphäre eines der bekanntesten Frühlingsgedichte nach: Der Titel „Er ist´s“ von Eduard Mörike.
MUSIK 2 ( Juan Maria Solare – Esto también pasará 0‘26)
Zitatorin
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist´s!
Dich hab ich vernommen!
Sprecherin
Typische Frühlingsmotive tauchen auf: die Natur erwacht und sendet Zeichen einer neuen unbeschwerten Zeit: Zuversicht, Lebensfreude. Das Gedicht erzählt, wie dieser Aufbruch von allen menschlichen Sinnen wahrgenommen wird: den Frühling kann man im wahrsten Wortsinn nicht nur sehen, sondern auch riechen und hören. In den insgesamt nur neun Zeilen inszeniert Eduard Mörike einen Sinnesrausch.
2 Oton Kittstein
Seine Meisterschaft, die dem Gedicht dann auch seinen Rang und seine Bekanntheit verleiht, liegt offenkundig darin, wie er dieses Thema mit künstlerischen Mitteln gestaltet, also wie es ihm gelingt, mit den Mitteln der poetischen Sprache den Frühling hier für die Leserschaft zu einem ästhetischen Erlebnis zu machen.
Sprecherin
Dazu gehört, dass Eduard Mörike die Natur vermenschlicht. Blumen erscheinen wie schlafende Wesen kurz vor dem Erwachen, denn „Veilchen träumen schon“ und am Ende wird der Frühling sogar angesprochen wie ein Gegenüber: „Frühling, ja Du bists! Dich hab ich vernommen!“
3 Oton Kittstein
Auch der Aufbau des Gedichts ist sorgfältig kalkuliert. Der Frühling wird am Anfang schon benannt, als Personifikation, als Akteur und am Ende, auf dem Höhepunkt des Ganzen wird er unmittelbar ange