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Film Noir - Düsternis auf der Leinwand
Description
Privatdetektive, die in Geschichten voller Gier, Lust und Mord gezogen werden, in denen gefährliche Frauen die Männer mit ihren Reizen in den Abgrund reißen und die Moral als erstes auf der Strecke bleibt - das ist Film Noir. Kein Genre, eher ein Gefühlszustand, der das US-Kino der 1940er und 1950er Jahre geprägt hat. Von Florian Kummert
Credits
Autor dieser Folge: Florian Kummert
Regie: Rainer Schaller
Es sprachen: Susanne Schroeder, Carsten Fabian
Technik:
Redaktion: Andrea Bräu
Im Interview:
Paul Duncan, Filmhistoriker und Autor, „Film Noir“ (Taschen Verlag)
Christian Keßler, Filmwissenschaftler und Autor, „Hollywood Blackout“ (Martin Schmitz Verlag)
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
ERZÄHLERIN
Los Angeles. Die Stadt der Engel wird sie genannt, dabei steckt sie doch voller Teufel und Dämonen. Die Hügel von Hollywood versprechen das ganz große Geld und den ganz großen Ruhm. Und andere Verlockungen flüstern süßes Gift ins Ohr, das einen wie der Gesang der Sirenen ins Verderben stürzt. So wie den Versicherungsvertreter Walter Neff (engl.).
(Musik ausfaden lassen…)
Mit Vollgas rast er durch Downtown L.A., rote Ampeln stoppen ihn nicht, ebenso wenig der Lastwagen, in den er beinahe kracht. Egal, der Mann hat nur ein Ziel: das Büro seiner Versicherung. Mit quietschenden Reifen bringt er das Auto vor dem Gebäude zu stehen. Mühsam schleppt sich Walter Neff über den Bürgersteig durch den Eingang zum Aufzug. Jeder Schritt eine Qual. Dafür sorgen die blutende Wunde und die Pistolenkugel in seiner Schulter.
(SOUND Aufzugtür öffnet sich)
Das Büro ist zu dieser nächtlichen Stunde so gut wie leer. Nur Neffs Schatten zeichnet sich deutlich an der Wand ab, wie ein unheimlicher, stiller Gast, der Walter zu seiner letzten Reise begleitet. Die in dieser Julinacht 1938 vor dem Diktiergerät seines Chefs endet. Walter Neff nimmt das Mikrofon in die Hand und beginnt die Beichte.
ZITATOR
Der Versicherungsfall Diedrichson (SPRICH engl, Diidrikksn).
Kein Unfall, sagten Sie? Richtig.
Und Selbstmord auch nicht? Richtig.
Sie meinten Mord. Richtig.
Aber was Ihnen entgangen ist: Ich habe Diedrichson umgebracht.
Ich, Walter Neff, Versicherungskaufmann, 35, ledig, keine sichtbaren Narben. Bis vor kurzem zumindest.
Ja, ich hab’ ihn umgebracht. Es ging um viel Geld und um eine Frau.
Ich habe das Geld nicht bekommen.
Und die Frau auch nicht.
MUSIK Suite Double Indemnity
ERZÄHLERIN
Mit diesem Geständnis beginnt „Frau ohne Gewissen“ aus dem Jahr 1944. Regisseur Billy Wilder (AUSSPRACHE: 'Billi 'Waillde) schuf damit eines der Meisterwerke des so genannten „Film Noir“. Eine abgrundtief schwarze Geschichte über Gier, Lust und Mord, über einen Mann, der einer Frau verfällt, der das große Ding drehen will und am Ende scheitert.
Alles, was Film Noir ausmacht, steckt hier drin.
OTON VOICEOVER PAUL DUNCAN 1
Film Noir is a state of mind. … what noir is about.
Film Noir ist ein Geisteszustand, eine Gefühlslage, die der Frage nachgeht: Kann ich den Menschen, die ich liebe, vertrauen? Allein diese Frage zu stellen, trifft den Kern von Noir.
ERZÄHLERIN
Sagt der britische Filmhistoriker und Film Noir-Experte Paul Duncan (SPRICH: e