Episode Details
Back to Episodes
Die Pest in Oberammergau - Von der Seuche zum Passionsspiel
Description
Es ist die Nacht vor dem Kirchweihfest 1633. In der Dunkelheit schleicht sich der Oberammergauer Kaspar Schisler von Eschenlohe aus in sein Heimatdorf. Bringt er damit die Pest in den Ort? - Das Unglück vor nahezu 400 Jahren hat die weltberühmten Passionsspiele hinterlassen und eine Menge fromme und skurrile Geschichten. Von Markus Mähner
Credits
Autor dieser Folge: Markus Mähner
Regie: Anja Scheifinger
Es sprachen: Franziska Ball, Benedikt Schregle, Frank Manhold
Technik: Adele Meßmer, Lorenz Kersten
Redaktion: Thomas Morawetz
Im Interview:
Viola Schenz, Journalistin und Autorin des Buches "Ein Dorf begeistert die Welt: Die Geschichte der Oberammergauer Passionsspiele"
Diese hörenswerten Folgen von radioWissen könnten Sie auch interessieren:
Die Pest im Mittelalter - Europas demographische Katastrophe. Von Ulrike Rückert / Artikel Dorit Kreissl (2010 / 2015)
JETZT ENTDECKEN
RadioWissen finden Sie auch in der ARD Audiothek:
ARD Audiothek | RadioWissen
JETZT ENTDECKEN
Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
SPRECHERIN
Es ist der 11. September 1880. Ein Pferdefuhrwerk quält sich den steilen Ettaler Sattel aus dem Loisachtal kommend empor. Auf seinem Bock: Der lutherische Theologe Alexander von Oettingen von der Universität Dorpat im deutschsprachigen Estland. Neben ihm: Der äußerst gesprächige Murnauer Kutscher, der weiß auf was es bei der Oberammergauer Passion ankommt:
ZITATOR 1
Die Hauptsache bei die Gschicht sei, daß viele Wagen voll Bierfässern dort versoffen würden. Ja, die verstehn´s dort halt.
SPRECHERIN
So Alexander von Oettingen in seinen "Erinnerungen eines Pilgers nach Oberammergau" von 1880. Und tatsächlich:
M ARD-LAbelmusik Tradition (Länge: 1´15´´) unter:
Die Reise zu den inzwischen weltberühmten Oberammergauer Passionsspielen ähnelt eher einer Pilgerreise als eines Kulturausflugs. Denn links und rechts ist die Straße gesäumt von schier zahllosen Fußgängern, die sich keine Kutsche leisten können. Alle wollen sie nach Oberammergau, dem verschlafenen bayerischen Dorf, wie es in Disneyland nicht schöner stehen könnte: Umrahmt von kecken Berggipfeln und sprudelnden Ammerquellen, präsentiert es sich mit Lüftlmalereien und Herrgottsschnitzern an jeder Ecke, "abgeschieden und weltoffen", vor allem dank seiner Passionsspiele, von denen der offizielle Passionsführer von 1880 schreibt:
ZITATOR 3 (od 2)
Am Mississippi wie an der Spree, an der Donau wie an der Themse, an der Seine wie am Rhein lautet das Losungswort: Nach Oberammergau! Tausende eilen auf Bahnen und Dampfern nach dem sonst so stillen Gebirgsdorfe und scheuen selbst die Beschwerden und Mühseligkeiten und Gefahren einer mehrwöchigen Seereise nicht, um dem alten Mysterium beizuwohnen.
SPRECHERIN
Doch woher stammt es, das "alte Mysterium"? Der Gründungsmythos der Oberammergauer Passionsspiele ist so bewegt, wie seine nun bald 400jährige Geschichte.
M Dakryon (Länge: 1´00´´)
SPRECHERIN
Es ist das Jahr 1633. In Bayern sieht es düster aus: Vor einem Jahr überquerte der Schwedenkönig Gustav Adolf mit seinen Truppen den Lech und brachte damit den Dreissigjährigen