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Musik als Ware - Wovon früher Komponisten lebten
Description
Wie viel verdiente Joseph Haydn und war Johann Sebastian Bach mit seinem Einkommen zufrieden? Wie haben früher die großen Komponisten ihren Lebensunterhalt bestritten? Von Markus Vanhoefer (BR 2021)
Credits
Autor dieser Folge: Markus Vanhoefer
Regie: Markus Vanhoefer
Es sprachen: Christian Baumann, Katja Amberger, Florian Schwarz, Katja Schild
Technik: Wolfgang Lösch
Redaktion: Nicole Ruchlak
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
Sprecher:
There is no business like show business. Musik ist nicht nur Kunst und Kulturgut, Musik ist auch ein Geschäft, das nach wirtschaftlichen Spielregeln funktioniert.
Sprecherin:
Mit Musik wird Geld verdient, Musik ernährt Menschen, Musik ist eine Ware, mit der Handel betrieben wird. Das trifft nicht nur für unsere mediale Konsumgesellschaft zu, sondern auch für die Klänge der Vergangenheit.
Sprecher:
Nehmen wir zum Beispiel den Berufsstand des Komponisten: Ob Spätbarock, Hochromantik oder Impressionismus, wie ein Komponist komponiert, was er komponiert, wie er seinen Arbeitsalltag organisiert, all das hat immer auch einen ökonomischen Aspekt.
Sprecher:
Sobald wir unsere Musikgeschichte mit materialistischer Brille betrachten, fällt ein Phänomen auf, das als Mozart-Paradox bezeichnet werden kann.
Es beruht auf zwei widersprüchlichen Erscheinungen. Erstens: Auf der ökonomischen Realität der historischen Person Mozart. Und zweitens: Dem Wirtschaftsfaktor Mozart im 21sten Jahrhundert.
Sprecherin:
Das Mozart-Paradox: Als der Rokoko-Komponist 1791 im Alter von 35 Jahren stirbt, wird sein Nachlass auf 592 Gulden geschätzt. Das entspricht etwa der Jahresmiete einer repräsentativen Wiener Wohnung.
Sprecher:
Dem stehen Verbindlichkeiten in Höhe von 918 Gulden gegenüber, das ergibt ein Minus von 326 Gulden, so dass sich Mozarts Witwe Konstanze in einer prekären Situation wiederfindet. In einem Brief an Kaiser Leopold II schreibt sie:
Zitatorin:
Eure Majestät! Unterzeichnete hatte das Unglück, den unersetzlichen Verlust ihres Gatten erleben zu müssen, und von demselben mit zwey unmündigen Söhnen in Umständen zurückgelassen zu werden, die sehr nahe an Dürftigkeit und Mangel gränzen (!).
Sprecher:
Der Mythos Mozart ist der Mythos vom gemobbten Genie, das im Armengrab verscharrt worden ist.
Sprecherin:
Dieses populäre Bild vermittelt einen falschen Eindruck: Zwar konnte Mozart nicht mit Geld umgehen und hatte mit Intrigen zu kämpfen, dennoch war er einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Zeit und damit auch ein Besserverdiener.
Sprecher:
So kalkuliert Mozart-Biograph Maynard Solomon Mozarts Einnahmen für dessen Todesjahr auf zwischen 3600 und 5600 Gulden. Nach heutigem Geldwert entsprechen 5600 Gulden etwa 200.000 Euro. Das ist ein Jahreseinkommen, das im Wien nur einer kleinen, wohlhabenden Bevölkerungsschicht zu Verfügung stand.
Sprecherin:
Wie ist Mozarts Verdienst in Relation zu seinen Komponisten-Kollegen zu bewerten? Ziehen wir zum Vergleich Joseph Haydn heran:
Sprecher:
1791 fährt Haydn zum ersten Mal nach London. Der Österreicher ist eine internationale Berühmtheit und die Wirtschaftsmetropole London die Stadt, in der man mit Musik so viel Geld machen