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Magie - Der uralte Draht nach drüben
Description
Magie ist ein schillernder Begriff, der sich nicht leicht fassen lässt. Letztlich aber geht es darum, das Schicksal zu beeinflussen mit Praktiken und Ritualen, die modernen Vorstellungen irrational erscheinen. Dennoch zieht sich Magie als kulturgeschichtliches Phänomen wie ein roter Faden bis heute durch alle Epochen und Kulturen der Menschheit. Von Thomas Grasberger
Credits
Autor dieser Folge: Thomas Grasberger
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Christian Baumann, Hemma Michel, Carsten Fabian
Technik: Robin Auld
Redaktion: Thomas Morawetz
Im Interview:
Josefine Biedinger, Kuratorin und Archäologin am Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale
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Und noch eine besondere Empfehlung der Redaktion:
Die Sonderausstellung „Magie – das Schicksal zwingen“ ist im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale) noch bis zum 13. Oktober 2024 zu sehen.
Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.
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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.
Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:
Erzähler
Er war die große Liebe ihres Lebens. Eines Tages jedoch verließ er die junge Frau – für eine andere. Und dafür sollte er büßen, der untreue Liebhaber. Schmerzen sollte er erleiden – so lange, bis er zu der Verlassenen zurückkehrte.
Erzählerin
Doch wie sollte das gehen? Sein Herz hatte ja längst anders entschieden. Das ahnte auch die enttäuschte Frau. Daher wählte sie eine spezielle Methode, einen magischen Liebeszauber. Sie nahm sich einen 30 Zentimeter großen Block aus Pflaumenholz und fing an zu schnitzen. Schon bald waren die Umrisse eines Menschen erkennbar; zwar nur grob, aber um künstlerische Details ging es ja nicht. Kaum war die Puppe fertig, schlug ihr die liebeskranke Frau eiserne Nägel ins Holz. Vier in den Schädel, und einen mitten ins Herz hinein. Der schmerzhafte Liebeszauber konnte nun wirken.
Erzähler
Glaubt man den Quellen, so hat die Rachepuppe ihr Ziel nicht erreicht. Der Ex kehrte nie wieder zu seiner früheren Geliebten zurück. Dass die Holzpuppe dennoch zu einem wertvollen Objekt für die Wissenschaft wurde, hat mit ihrem Herstellungsdatum und ihrer Herkunft zu tun. Das Nadelpüppchen war nämlich kein Jahrtausende altes Relikt, wie wir es aus Mesopotamien, Ägypten oder dem alten Rom kennen. Es war erst in den 1950er Jahren entstanden, im nördlichen Saarland. Und 2024 landete es auf einem Ausstellungsplakat im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale. Der Titel der Schau: „Magie – Das Schicksal zwingen“
Musik: Mystic tendency (c) 0‘28
Erzählerin
Magie ist ein schillernder Begriff, der sich nicht leicht fassen lässt. Um ihn ranken sich zahlreiche Geschichten von übernatürlichen Kräften und rituellen Handlungen, von geheimnisvollen Sprüchen und Gegenständen, mit denen sich angeblich handfeste Wirkungen erzielen lassen.
Erzähler
So weit, so rätselhaft. Wer sich wissenschaftlich mit dem Thema befasst, um Licht ins Halbdunkel der magischen Welt mit ihren Voodoo-Püppchen, Hexenfläschchen und Nachgeburtstöpfen zu bringen, braucht eine genaue Definition des Begriffs. Die studier