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Die Toleranz - Respekt für das Andere

Die Toleranz - Respekt für das Andere

Published 1 year, 2 months ago
Description

Über Jahrhunderte haben Gesellschaften sich in Toleranz geübt. Jetzt gerät die edle Haltung an ihre Grenzen. Wie tolerant sollen wir gegenüber Menschen sein, die die Werte der Toleranz selbst mit Füßen treten? Von Fabian Mader (BR 2019)

Credits
Autor dieser Folge: Fabian Mader
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Ruth Geiersberger, Christian Baumann, Hemma Michel, Carsten Fabian und Martin Fogt
Technik: Fabian Zweck

Im Interview:
Prof. Dr. Rainer Forst;
Prof. Dr. Dr. h.c. Karl-Josef Kuschel

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

Zugatmo ... 

ZITATOR 

Ist hier noch frei?

ZITATORIN 

Ja … aber natürlich … 

Warten Sie, ich mache Ihnen Platz.

ZITATORIN leise zu sich selbst:

Mein Gott, diese Jacke und jetzt … och ne!!! … Jetzt legt der seine Jacke auf meine, das gibt‘s doch nicht ...?!

ZITATOR 

Geht das so?

ZITATORIN 

Kein Problem …! Hier haben Sie Platz für Ihre Sachen!

ZITATOR 

Stört es Sie, wenn ich etwas esse?

ZITATORIN 

Nein, nein, … natürlich nicht! Lassen Sie es sich schmecken!

ZITATORIN leise zu sich selbst: 

Wie das stinkt, was soll das sein, gekochter Hund!? Ist das ekelhaft, … das stinkt ja das ganze Zugabteil voll! Wie soll ich das nur bis Berlin aushalten?!

Musik

SPRECHER 

Die Hölle, das sind die anderen! Schreibt Jean-Paul Sartre, französischer Existentialist. 

SPRECHERIN 

Sobald wir unseren privaten Raum verlassen, sind wir diesen anderen ausgesetzt. Und damit ihren Meinungen, ihrem Verhalten, ihrem Geschmack. Genau hier aber zeigen sich die Unterschiede der Menschen. Sartre spricht von der Hölle, weil sie, ‚die anderen‘ uns in unserer Freiheit einschränken. 

SPRECHER

Die moderne Gesellschaft braucht aber eine Methode, um diese Unterschiede zu moderieren. Und diese Methode heißt: Toleranz. 

SPRECHERIN

Der Philosoph Rainer Forst hat eine 750 Seiten lange Abhandlung über die Debatte um diese Tugend geschrieben. Aus seiner Sicht wird der Begriff oft falsch verwendet. Viele halten sich für tolerant - obwohl sie es eigentlich gar nicht sind:

O-Ton 1 – Rainer Forst: 

Wer mit dem glücklich ist, was die anderen machen, obwohl er es fremd findet, der ist nicht tolerant, sondern begrüßt einfach nur das Fremde. 

Also zum Tolerieren gehört, dass man wirklich ein Problem sieht, mit dem, was andere denken oder tun.

SPRECHER

Wenn wir also mit den Dingen um uns herum einverstanden sind, dann sind wir eigentlich nicht tolerant, sagt Rainer Forst. Wir sind nur konform mit unserem Umfeld:

O-Ton 2 – Rainer Forst 

Das ist prima, wenn Leute kein Problem mit Andersartigkeit, mit anderen Lebensformen, Überzeugungen und so weiter haben, aber dann tut’s mir leid, dann sind die einfach nicht tolerant, dann sind die nur einfach freundliche Zeitgenossen, die an dem Fremden was Gutes sehen, oder weder was Gutes noch was Schlechtes, weil sie indifferent sind. Wer tolerant ist, der hat ein Problem mit dem, was die anderen sagen. Wer kein Problem mehr mit dem, was die anderen sagen oder tun, hat, der kann auch nicht tolerant sein.

SPRECHER

Toleranz bedeutet dann, trotz der Ablehnung, trotz vielleicht sogar der Abscheu, das Fremde und Andere zu respektiere

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