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Pflicht zur Hilfsbereitschaft? - Eine Philosophie des Füreinander

Pflicht zur Hilfsbereitschaft? - Eine Philosophie des Füreinander

Published 1 year, 1 month ago
Description

Über fünf Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland gespendet. Helfen scheint ein menschliches Grundbedürfnis zu sein. Doch Helfen ist nicht immer altruistisch, es gibt auch genügend egoistische Motive. Von Karin Lamsfuß (BR 2019)

Credits
Autorin dieser Folge: Karin Lamsfuß
Regie: Irene Schuck
Es sprachen: Beate Himmelstoß, Burchard Dabinnus, Jerzy May
Technik: Helge Schwarz
Redaktion: Bernhard Kastner

Im Interview:
Dr. Gerhard Kruip, Professor für christliche Anthropologie und Sozialethik an der Uni Mainz; Dr. Martin Booms, Philosoph, Bonn; Sylvia Wetzel, buddhistische Lehrerin; Christoph Letzel, sozialpolitischer Referent der Caritas

Wir freuen uns über Feedback und Anregungen zur Sendung per Mail an radiowissen@br.de.

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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

MUSIK

Zitator: 

Acht Uhr morgens. Ein Gemeindezentrum in einer deutschen Großstadt. Kleidung, Spielsachen und Hausrat stapeln sich bis unter die Decke. Wenige Tage zuvor war ein Mehrfamilienhaus in Flammen aufgegangen. Zehn Menschen wurden obdachlos. Sofort brach eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

MUSIK: „ Bose-Einstein Condensation“ K: Biosphere Album: Shenzhou

Sprecherin: 

Über fünf Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland gespendet. Beinahe jeder Zweite über 14 ist ehrenamtlich engagiert.  

Junge besuchen alte Menschen im Pflegeheim, Senioren unterrichten benachteiligte Schüler. Andere arbeiten bei der Tafel, im Hospizdienst oder kochen Mittagessen für sozialschwache Kinder. Insgesamt macht das 4,6 Milliarden Arbeitsstunden pro Jahr. Nicht mitgezählt die unzähligen kleinen Gesten der Hilfsbereitschaft im Alltag. Helfen scheint irgendwie ein menschliches Grundbedürfnis zu sein. 

MUSIK: Gris Gris K: John Zorn Album: From Silence to Sorcery A: John Zorn

SPRECHERIN:

Ist es das wirklich? Oder setzt sich eher durch, wer nach der Devise verfährt:

Zitator:

Jeder gegen jeden!

Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner!

Jeder ist sich selbst der nächste!

Sprecherin: 

Manche rümpfen nur die Nase beim Wort Ehrenamt – und frönen den Verlockungen der Spaßgesellschaft. Und argumentieren: 

Zitator: 

Was geht mich das Leid der anderen an? Mein Motto ist: „Me first!“

01 - O-Ton Martin Booms: 

Das ist ja eine anthropologische Grundfrage, über die seit Anbeginn des Philosophierens gestritten wird: Ist der Mensch von Natur aus gut? (…) Da wäre etwa eine Position zu nennen wie die von Aristoteles, der gesagt hat: Der Mensch ist ein Zoon Politicon, das heißt also ein Wesen, das bezogen ist auf andere, das gar nicht als singuläres Wesen überhaupt existieren könnte. 

Sprecherin: 

Dr. Martin Booms, Philosoph und Leiter der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur in Bonn. 

Auch der römische Philosoph Seneca hat die Bedeutung der Hilfsbereitschaft im gesellschaftlichen Zusammenleben immer wieder betont: 

Zitator: 

Die höchste Stufe des Gewährens ist die Güte“.

„Sei deines Wohltuens froh, auch wenn es keine Früchte trägt!“

Sprecherin: 

Die heutige Gesellschaft scheint sich in zwei Hälften aufzuteilen: Einerseits die, die auch die anderen im Blick haben, und andererseits die, die nur sich selbst und ihren eigenen Vorteil sehen. Die Gründe für diesen Egoismus sind vielfältig, meint Gerhard Kruip, Professor für chris

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